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Berlin: Krankenkassen erwarten Zusatzbeiträge für alle

Berlin : Krankenkassen erwarten Zusatzbeiträge für alle

Die Gesundheitsreform 2015 wird nach Ansicht der Kassen zu keiner Entlastung führen. Neuen Streit gibt es über die Gesundheitskarte.

Die 50 Millionen Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung müssen sich auf Zusatzbeiträge einstellen. Zwar wird mit der Gesundheitsreform zum 1. Januar 2015 der Sonderbeitrag von 0,9 Prozent des Bruttoeinkommens abgeschafft, den die Arbeitnehmer bislang allein zahlen müssen. Und auch der bisher von einigen Kassen erhobene einkommensunabhängige Zusatzbeitrag (meist acht Euro pro Monat) wird gestrichen. Im Gegenzug können die Kassen künftig aber einen einkommensabhängigen Zusatzbeitrag erheben. Und viele werden das auch tun müssen, weil sie sonst mit ihren Mitteln nicht auskommen. Das geht aus den jüngsten Zahlen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hervor. Die GKV-Vorsitzende Doris Pfeiffer erklärte, sie halte es für ausgeschlossen, dass eine Versicherung auf Dauer auf den Aufschlag verzichte.

Sie zeigte sich auch skeptisch über die Prognose von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), wonach 2015 zunächst rund 20 Millionen Versicherte entlastet werden könnten: "Ich kann diese Zahl nicht bestätigen." Eine Senkung der Beiträge werde es kaum in größerem Stil geben. Das Ministerium zeigte sich verwundert. Denn die Angaben über Finanzreserven und Beitragssenkungs-Möglichkeiten würden ja von früheren Angaben der Kassen selbst stammen.

Im ersten Quartal 2014 fuhren die Kassen ein Minus von 270 Millionen Euro ein. Dies kommt auch daher, dass ein Teil der Kassen, etwa die Techniker, Prämien an ihre Mitglieder ausschüttete. Der gemeinsam von den Kassen verwaltete Gesundheitsfonds machte ein Defizit von 2,4 Milliarden Euro. Entsprechend schmolz auch das Polster: Die Finanzreserven gingen seit dem Jahresende von mehr als 30 auf 27,7 Milliarden Euro zurück.

Größter Preistreiber im ersten Quartal war einmal mehr die Pharmaindustrie. Die Kassenausgaben für Arzneimittel stiegen in den ersten drei Monaten um 8,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Ausgaben für niedergelassene Ärzte erhöhten sich um 3,8 Prozent und die für Klinikbehandlungen um 5,1 Prozent. Beim Krankengeld gab es ein Plus von 6,6 Prozent.

Alarm schlug der Kassenverband wegen der elektronischen Gesundheitskarte: Sie bringe trotz Kosten von bisher rund 900 Millionen Euro noch keinen Mehrnutzen. Die Kassen warfen vor allem den Ärzten vor, den Aufbau der entsprechenden IT-Infrastruktur zu behindern.

(anh)