1. Politik
  2. Deutschland

Türkische Regierungspolitiker loben Mesut Özil für Rücktritt

Affäre um Erdogan-Fotos : Türkische Regierungspolitiker loben Özil für Rücktritt

Mesut Özil tritt aus der Nationalmannschaft zurück

Türkische Regierungspolitiker unterstützen Mesut Özil nach dessen Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft. Der türkische Justizminister etwa spricht vom „schönsten Tor gegen den faschistischen Virus“.

Nach dem Rücktritt Mesut Özils aus der deutschen Nationalmannschaft und seiner scharfen Kritik am Deutschen Fußball-Bund haben sich türkische Regierungspolitiker auf die Seite des Fußballers geschlagen.

Der türkische Sportminister Mehmet Kasapoglu schrieb am Sonntagabend auf Twitter: „Wir unterstützen die ehrenhafte Haltung unseres Bruders Mesut Özil von Herzen.“ Der türkische Justizminister Abdulhamit Gül gratulierte dem gebürtigen Gelsenkirchener mit türkischen Wurzeln, weil dieser mit seinem Rücktritt das „schönste Tor gegen den faschistischen Virus geschossen“ habe.

Druck auf Özil

Der Sprecher des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, begrüßte Özils Aussage, dass er den türkischen Präsidenten wieder treffen würde. Weiter schrieb er auf Twitter: „Aber stellen Sie sich vor, welchem Druck Herr Mesut in diesem Prozess ausgesetzt war. Wo sind Höflichkeit, Toleranz, Pluralismus geblieben...?!“

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel dankte Özil auf Twitter für dessen Leistungen im Nationalteam und ergänzte: „Und weil es um mehr geht: An alle Bürgerinnen und Bürger mit unterschiedlichen Wurzeln: Wir gehören zusammen und wir akzeptieren Rassismus never ever.“

Kritik an Özil übte der Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir von den Grünen. Es sei "sehr bedauerlich, wie sich Özil jetzt äußert. Damit spielt er denen einen Steilpass zu, die unsere Demokratie ablehnen hier wie dort", sagte Özdemir. Özil sei "seiner Vorbildfunktion nicht gerecht geworden". Zudem sei es "fatal", führte Özdemir in der Berliner Zeitung weiter aus, "wenn junge Deutsch-Türken jetzt den Eindruck bekommen, sie hätten keinen Platz in der deutschen Nationalelf. Leistung gibt es nur in Vielfalt, nicht in Einfalt. So sind wir 2014 Weltmeister geworden. Und Frankreich jetzt."

Annette Widmann-Mauz (CDU), Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, meinte bei twitter: "Bei allem Verständnis für die familiären Wurzeln, müssen sich Nationalspieler Kritik gefallen lassen, wenn sie sich für Wahlkampfzwecke hergeben. Zugleich darf diese berechtigte Kritik nicht in pauschale Abwertung von Spielern mit Migrationshintergrund umschlagen."

Zuvor hatte der Spielmacher des FC Arsenal die im Mai entstandenen Fotos mit Erdogan, die seither hitzig debattiert werden, vehement gegen alle Kritik verteidigt. In drei via Twitter verbreiteten Stellungnahmen übte er am Sonntag unter anderem scharfe Kritik am Deutschen Fußball-Bund sowie an DFB-Sponsoren und Medien und verkündete seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft.

(sbl/dpa)