1. Politik
  2. Deutschland
  3. Kolumnen
  4. Gesellschaftskunde

Kolumne: Frauen tragen in Familien oft die Last der Organisation

Kolumne „Gesellschaftskunde“ : Die wahre Last in Familien

Männer helfen im Haushalt, Frauen organisieren ihn. Das sorgt für Beziehungsstress.

Moderne Paare teilen sich den Haushalt. Zumindest ist das inzwischen meist die Übereinkunft, wenn beide Partner berufstätig sind und sich gemeinsam um die Kinder kümmern. Allerdings bedeutet das in der Praxis klassischer Paarbeziehungen oft, dass Männer zwar den Müll runtertragen oder das Kind beim Sport abholen – doch daran erinnern muss die Frau.

Sie ist zuständig für die Abwicklung alles Familiären, darf zwar delegieren, muss aber alles im Blick behalten. Eine französische Karikaturistin hat dafür einen Begriff bekannt gemacht: „mental load“ – die Last, an alles denken zu müssen: an das fehlende Klopapier auf der Einkaufsliste, Geburtstagstermine samt Geschenken, Verabredungen, Urlaubsplanungen – und zwar für sämtliche Mitglieder der Familie.

Womöglich kehren da durch die Hintertür alte Rollenmuster zurück. Vielleicht wurden sie auch weniger überwunden, als es moderne Elternzeitregeln und neue Väter am Spielplatzrand glauben machen. Jedenfalls kann „mental load“, das Gefühl, für die reibungslose Abwicklung des Familienlebens verantwortlich zu sein, die Betroffenen – in manchen Beziehungen sind es auch die Männer – in die Erschöpfung treiben. Das ist dann ähnlich wie beim Burnout im Job: Menschen fühlen sich überfordert und gleichzeitig zu wenig wertgeschätzt. Doch ihre inneren Ansprüche lassen sie immer weiter rödeln, weil sie glauben, nur wenn sie perfekt seien, würden sie geliebt.

Wie weit man sich „mental load“ aufbürden lässt, ist also abhängig davon, wie ernst man seine eigenen Bedürfnisse nimmt. Allerdings ist das nicht nur eine individuelle Frage. Noch immer halten viele insgeheim die Frau für verantwortlich, wenn es um das Wohlergehen der Familie geht. Da muss die Entlastung beginnen.

Ihre Meinung? Schreiben sie unserer Autorin unter kolumne@rheinische-post.de