Frauensache: Meine Wünsche an den neuen Papst

Frauensache : Meine Wünsche an den neuen Papst

Ich möchte einen Papst, der nicht nur göttliche, sondern auch irdische Liebe erfährt. Denn Ehe und Familie erheben und erden zugleich. Sie sind pure Menschlichkeit.

Der Schriftsteller Jakob Arjouni hat ein wunderbares Buch über das Wünschen des Menschen geschrieben. "Idioten. Fünf Märchen" heißt sein Werk, in dem fünf Personen eine Fee erscheint, um ihnen zu verkünden, dass sie ihnen einen Wunsch erfüllen wird. Ausgenommen sind allerdings Wünsche in den Bereichen Unsterblichkeit, Gesundheit, Geld und Liebe. Weil die Fee ziemlich gut um die Schwierigkeiten mit menschlichen Wünschen weiß, hat sie auch ein Alternativangebot dabei — eine Geschirrspülmaschine.

Würde mir die Fee jetzt erscheinen, mein Wunsch ginge nach Rom, zum wohl himmlischsten Einstellungsverfahren auf Erden: der Besetzung des Papstamtes, das in dieser oder der nächsten Woche nach dem Eintreffen der wahlberechtigten Kardinäle beginnt. "Ha", werden Sie nun vielleicht denken, "wenn sich eine, die immer über Frauensachen schreibt, einen Papst nach ihren Vorstellungen wünschen kann, dann ist doch klar, worauf es hinausläuft: eine Frau auf dem Heiligen Stuhl." Ehrlich gesagt, das Geschlecht des künftigen Papstes ist mir egal. Es soll hier auch nicht um die Rolle der Frau in der katholischen Kirche gehen, sondern um Eigenschaften und Möglichkeiten des Stellvertreters Christi auf Erden.

Ich wünsche mir einen Papst, der nicht nur göttliche Liebe erfährt, sondern auch irdische. Ich wünsche mir einen Papst, der liebt und der lieben darf. Die Ehe, die eigene Familie — sie sind Halt, Zufluchtsort und die intensivste Form der Liebe. Jeder, der Kinder hat, erzählt von der Besonderheit dieses Gefühls, ganz und gar für einen Menschen da zu sein und nichts anderes als sein Wohl im Sinn zu haben.

Ehe und Familie erheben und erden zugleich. Sie sind pure Menschlichkeit, in all ihren Facetten. Und mein Papst soll nicht nur menschlich sein. Er soll auch Mensch sein. So wie es Benedikt XVI. am Ende seiner Amtszeit gewesen ist, als er den Mut aufgebracht hat, von seinem Amt zurückzutreten. Aufgrund seines vorgerückten Alters reichten seine Kräfte nicht mehr aus, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben, hat er erklärt.

Benedikt hat gezeigt, dass er wie jeder andere auf dieser Erde an seine Grenzen stößt — körperlich und geistig. Dieser Papst hat offenbart, dass auf dem Heiligen Stuhl ein Mensch sitzt. Ich wünsche mir einen Nachfolger, der nicht nur menschliche Grenzen, sondern auch menschliche Freuden erleben darf. Ohne zölibatäre Einschränkungen.

Die Fee würde mir jetzt wohl empfehlen, die Geschirrspülmaschine zu nehmen.

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(RP)