Frauensache: Die Sehnsucht nach dem "Lebenslang"

Frauensache : Die Sehnsucht nach dem "Lebenslang"

Wir sind ein Volk der Unbeständigen – der Wechselwähler, Jobwechsler und Wechselliebenden. Dabei ist der Wunsch nach Bindungen für ein ganzes Leben unerschütterlich groß – ein gefundenes Fressen für TV-Macher.

Wir sind ein Volk der Unbeständigen — der Wechselwähler, Jobwechsler und Wechselliebenden. Dabei ist der Wunsch nach Bindungen für ein ganzes Leben unerschütterlich groß — ein gefundenes Fressen für TV-Macher.

Ich bin eine von 2,91 Millionen. So viele Menschen haben am Fernsehbildschirm das Finale der RTL-Kuppelshow "Der Bachelor" verfolgt. Das Sendekonzept ist simpel: Mann sucht Frau fürs Leben, RTL präsentiert ihm 20 Kandidatinnen, die er in Gruppen- und Einzeldates trifft, anschließend verteilt er an die Frauen, die ihm ans Herz gewachsen sind, rote Rosen. Pro Sendung werden die Rosen weniger und somit auch die Kandidatinnen. Im Finale gibt es dann nur noch zwei Frauen und eine Rose. "Ein Verliebter betrachtet eine Blume mit anderen Augen als ein Kamel", besagt ein afrikanisches Sprichwort. Ein bisschen Kamel war ich auch, als ich zugesehen habe, wie der Bachelor seine Auserwählte fragte, ob sie die letzte Rose annehmen würde.

Mit dem Bachelor bedient RTL eine Sehnsucht, die uralt und doch immerwährend ist: die Sehnsucht nach der Liebe für ein ganzes Leben. Nur ist das mit dem "Lebenslang" schwieriger geworden. Wir sind ein Volk der Unbeständigen — der Wechselwähler, Jobwechsler und Wechselliebenden. Lebensgefährten werden zu Lebensabschnittsgefährten, Ehen halten durchschnittlich 14 Jahre. Die Sehnsucht bleibt trotzdem.

Im Prinzip funktioniert die Bachelor-Show nicht anders als die vielen Partnervermittlungsportale im Internet: Einem Suchenden werden mehrere Liebeskandidaten angeboten, unter denen er wählen kann. Diesen eigentlich unromantischen Akt der Selektion hat RTL in eine glitzernde Ken-und-Barbie-Welt versetzt. Dem schönen Bachelor werden 20 schöne Frauen präsentiert, Südafrika dient als Kulisse, residiert wird in schmucken Villen, den Tag vertreibt man sich mit Champagnertrinken. Dennoch schimmern hinter der glamourösen Inszenierung der Krampf und die Verlegenheit durch, die entstehen, wenn sich eigentlich Fremde in der erklärten Absicht treffen, sich nun ineinander zu verlieben. Als die Frauen dem Bachelor vorgestellt werden, kommt es zu Dialogen wie: "Ich bin der Jan." — "Ich die Mignon." — "Was ist das denn für ein Name?" — "Das ist Französisch." — "Ich hätte jetzt auf asiatisch getippt." — "Ne, wie Filet Mignon." — "Ist das eine Chansonsängerin?" Schöner lässt sich die Wirklichkeit der organisierten Partnersuche nicht parodieren. Die Wirklichkeit hat auch den Bachelor und seine Auserwählte eingeholt, offenbar hat die Liebe ohne Südafrika, Villa und Champagner nicht funktioniert. Frei nach Oscar Wilde: "Der einzige Unterschied zwischen einer Laune und der ewigen Liebe besteht darin, dass die Laune etwas länger dauert."

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(RP/felt)
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