Frauensache: Das Schavan-Kostüm: Hosenanzug ohne Doktorhut

Frauensache : Das Schavan-Kostüm: Hosenanzug ohne Doktorhut

Annette Schavan gehört nun auch zu den Politikern, die uns durch ihre Verfehlungen eine gesellschaftliche Debatte beschert haben – nach männlichem Anstand wird nun über wissenschaftlichen Anstand diskutiert.

Annette Schavan gehört nun auch zu den Politikern, die uns durch ihre Verfehlungen eine gesellschaftliche Debatte beschert haben — nach männlichem Anstand wird nun über wissenschaftlichen Anstand diskutiert.

Aus aktuellem Anlass möchte ich vorab klarstellen, dass ich mir — trotz familiärer und beruflicher Belastung — ziemlich sicher bin, diese Kolumne selbst verfasst zu haben. Ich gebe auch zu, dass dieser erste Satz möglicherweise ein Plagiat ist, weil mit ähnlichen Worten Karl-Theodor zu Guttenberg versucht hat, seinen Doktortitel zu retten. Für alle Fälle bin ich zudem schon jetzt bereit einzuräumen, dass ich hier und da sorgfältiger hätte formulieren können.

Das hat auch Annette Schavan eingeräumt, als vor einigen Monaten ihre Doktorarbeit unter Plagiatsverdacht geraten war. Der Umgang mit Sigmund Freud in ihrer Dissertation sei ein bisschen verdruckst, hatte Schavan gesagt. Aber wer kann ihr das übelnehmen, schließlich macht Freud uns Frauen seit dieser Penis-Neid-Sache einen lässigen Umgang mit ihm auch nicht gerade leicht. Annette Schavan gehört jedenfalls nun auch zu den Politikern, die uns durch ihre Verfehlungen eine gesellschaftliche Debatte beschert haben — nach männlichem Anstand wird nun über wissenschaftlichen Anstand diskutiert.

Wir Rheinländer können dem politischen Berlin trotzdem dankbar sein, weil es uns mal wieder zu tollen Karnevalsverkleidungen inspiriert hat. Das Annette-Schavan-Kostüm: lilafarbener Hosenanzug und keinen Doktorhut. Lieblingskarnevalslied: "Am Aschermittwoch ist alles vorbei" von Willy Schneider. Typischer Satz am Kneipentresen: "Wen muss ich hier verklagen, damit ich ein Bier bekomme?"

Wer es gerne adelig mag, kann die Variante namens Karl-Theodor zu Guttenberg wählen: Maßanzug und keinen Doktorhut. Lieblingskarnevalslied: "Einmol Prinz zo sin" von Wicky Junggeburth. Typischer Satz am Kneipentresen: "Vorerst ein Bier."

Fast schon ein Klassiker ist das Christian-Wulff-Kostüm: dunkler Anzug und die rechte Hand geöffnet vor den Oberkörper halten, um jederzeit kleine Gefälligkeiten entgegennehmen zu können. Lieblingskarnevalslied: "Wer soll das bezahlen" von Jupp Schmitz. Typischer Satz am Tresen: "Mein Kumpel zahlt."

Neu ist das Rainer-Brüderle-Kostüm: Schlecht sitzender dunkler Anzug und einen Weinblätterkranz auf dem Haupt. Lieblingskarnevalslied: "Superjeilezick" von Brings. Typischer Satz am Tresen: "Mein Glas bitte so voll machen, dass man ein Dirndl damit füllen kann."

Für die Kleineren geeignet ist die Kristina-Schröder-Maskerade: Pippi-Langstrumpf-Perücke und Jim-Knopf-Mütze. Lieblingskarnevalslied: "Heile, heile Gänsje" von Ernst Neger. Typischer Satz am Kneipentresen: "Mein liebes Gott, ist das laut hier." Also, Helau und Prost.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserer Autorin: kolumne@rheinische-post.de

(RP)