Angela Merkel und der Cyberangriff: Auch ihr Rechner war befallen

Cyber-Angriff auf den Bundestag: Gehackt: Trojaner auch auf Merkels Rechner

Das Ausmaß des Cyber-Angriffs auf den Bundestag wächst: Einem Zeitungsbericht zufolge infizierten die unbekannten Hacker auch den Computer von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Demnach verschickten sie sogar E-Mails unter ihrem Namen, in denen infizierte Links eingebaut waren.

Wie die Bild am Sonntag unter Berufung auf zwei unabhängige Quellen berichtet, hatte sich auch auf dem Rechner der Kanzlerin ein Trojaner festgesetzt. Auf ihrem System wurde demnach als einem der ersten der Befall festgestellt.

Welche Schäden die Hacker damit anzurichten imstande waren, wird an einer konkreten Folge deutlich, die die Zeitung beschreibt. So sollen die Angreifer unter dem Absender Angela Merkel Mails an Bundestagsabgeordnete verschickt haben, Erst vor wenigen Tagen sei in deren Postfach eine E-Mail mit einer Einladung zu einer Telefonkonferenz aufgetaucht. Der eingebundene Link sei infiziert gewesen. Ein Sprecher der Unionsfraktion wollte den Bericht laut Bild nicht kommentieren.

Die Erneuerung des IT-Netzwerks des Bundestags nach dem schweren Hackerangriff wird einem anderen Pressebericht zufolge mindestens ein Jahr dauern. Wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" unter Berufung auf Sicherheitsfachleute berichtete, könnte die Beseitigung der Schäden und die Installation eines neuen Systems "mindestens ein Jahr, vielleicht auch zwei" benötigen. Unter anderem müsse die gesamte Software des Bundestags ausgetauscht werden. Diese Aufgabe soll nach Informationen der FAS das Unternehmen T-Systems übernehmen, das zur Deutschen Telekom gehört.

  • Hintergrund : Die bislang bekannten Details zum Cyber-Angriff auf den Bundestag

Dem Bericht zufolge gibt es im Bundestag Kritik daran, dass der Bundestag 2009 - anders als der Bundesrat - beschlossen hatte, sich nicht dem Netz der Bundesregierung anzuschließen, das vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) überwacht wird. Fachleute sind sich einig, dass der Angriff keinen Erfolg gehabt hätte, hätten die Regeln des BSI auch im Bundestag gegolten. "Die Chance wäre um einiges größer gewesen, den Angriff abzuwehren," sagte der CDU-Abgeordnete Clemens Binninger der FAS.

Der Angriff der Hacker gilt als weitaus schwerwiegender als zunächst dargestellt. "Man muss sich vorstellen, ein ausländischer Nachrichtendienst hätte den Generalschlüssel zu allen Büros und Aktenschränken des Bundestags erbeutet und kann sich bedienen", sagte die Grünen-Abgeordnete Steffi Lemke der FAS. Nach Ansicht von Fachleuten können die Angreifer durch sogenannte key logger auch gefälschte Mails erstellen, die echt wirken, beispielsweise aus dem Büro der Abgeordneten Angela Merkel.

Im Mai hatten IT-Experten einen hochprofessionellen Hackerangriff auf das Computernetzwerk des Parlaments entdeckt, der offenbar noch nicht vollkommen unter Kontrolle ist. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagte am Donnerstag, es komme seit zwei Wochen anscheinend nicht mehr zu Datenabflüssen, doch sei der Angriff noch nicht "endgültig abgewehrt". Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sieht hinter dem Cyberangriff einen ausländischen Nachrichtendienst. Der Minister empfahl dem Bundestag am Freitag, ein speziell abgeschirmtes Netzwerk nach dem Vorbild der Bundesregierung aufzubauen.

Hier geht es zur Infostrecke: Cyberwar: Hackerangriffe auf den Staat

(AFP)
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