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Pofalla-Pöbel-Affäre: An der Basis rumort es

Pofalla-Pöbel-Affäre : An der Basis rumort es

Berlin (RPO). Spitzenkräfte der Union versuchen in der Pöbel-Affäre von Ronald Pofalla den Druck aus dem Kessel zu nehmen. Der Kanzleramtschef selbst entschuldigte sich öffentlichkeitswirksam. Doch Pofallas Ansehen ist schwer beschädigt. An der Basis wird der Ruf nach personellen Veränderungen laut. Unterstützung findet Pofalla bei Joschka Fischer.

Nach der Verbalattacke von Kanzleramtsminister Ronald Pofalla gegen den Euro-Abweichler Wolfgang Bosbach müht sich die CDU-Führung um eine Beruhigung der Gemüter in der Partei. Pofalla entschuldigte sich öffentlich für seine Entgleisung. Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs und Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze (beide CDU) forderten ein Ende der Debatte. An der Basis gibt es jedoch Unmut.

Wirtschaftsstaatssekretär Hintze wertete die Diskussion über Pofallas Wutausbruch als überzogen und mahnte im Deutschlandfunk, "die Sache für abgeschlossen zu erklären". Auch Unions-Fraktionsvize Fuchs riet dazu, den Vorfall nun auf sich bewenden zu lassen. Pofalla sei "ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen", sagte er dem Südwestrundfunk. "Aber das darf man auch nicht überbewerten."

Massive Zweifel

Hintze und Fuchs versuchen offenkundig den Dampf aus dem Kessel zu nehmen. Die Jungliberalen hatten wenig verblümt Pofallas Rücktritt gefordert und auch die Äußerungen aus der Jungen Union klangen alles andere als nach "Schwamm drüber". In den Kommentaren der deutschen Medien war Pofalla ebenfalls nicht geschont worden. Zahlreiche Medien sorgten sich um den Zustand der Koalition, andere äußerten massive Zweifel an Pofallas Eignung als Kanzleramtschef.

Im Anschluss an die Berichterstattung schlägt Pofalla Empörung entgegen. "Ellenbogen und desoziales Verhalten wird vorgelebt", schreibt ein Nutzer in einem Kommentar unter einem Artikel, "Herr Pofalla disqualifiziert sich selber", heißt es in einer Reaktion auf Facebook.

Trotz aller Beschwichtigungsversuche haben sich auch an der Basis der Union die Gemüter offenkundig noch nicht beruhigt. Der niedersächsische CDU-Politiker Frank Oesterhelweg bezeichnete Pofallas Äußerungen als "Frechheit" und verlangte, "in der Unions-Spitze dringend personelle Veränderungen vorzunehmen". Um das Erscheinungsbild der Union stehe es denkbar schlecht. "Viel zu lange haben wir als Basis dieses Trauerspiel hingenommen", beklagte er, "wenn jetzt nicht bald aufgeräumt wird, dann laufen uns Mitglieder und Wähler in Scharen davon."

"Der schlechteste Kanzleramtschef aller Zeiten"

Die "Berliner Zeitung" zitierte in ihrer Dienstagausgabe einen namentlich nicht erwähnten führenden Koalitionspolitiker mit den Worten, Pofalla sei in seinem Amt überfordert und zudem wegen seiner cholerischen Art nicht dafür geeignet. Er sei "der schlechteste Kanzleramtschef aller Zeiten".

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, kritisierte Pofallas Verhalten in der "Welt" (Dienstagausgabe) als "niveaulos und selbst entlarvend". Rückendeckung bekam der Kanzleramtsminister dagegen aus den Reihen der Grünen. Der frühere Außenminister und Vizekanzler Joschka Fischer, der im Umgang mit Parteikollegen selbst als wenig zimperlich galt, äußerte Verständnis für Pofallas Wutausbruch. "Mir ist ein deftiges Wort des Zorns immer lieber als eine scheinbar freundlich vorgetragene süßsaure Hinterhältigkeit", sagte er der "Leipziger Volkszeitung" (Mittwochausgabe).

Bosbach hält sich mit Äußerungen über Pofalla derweil zurück. Der CDU-Abgeordnete verteidigte jedoch erneut sein Abstimmungsverhalten im Bundestag. Eine Partei habe immer Interesse an Geschlossenheit, sagte Bosbach im Bayerischen Rundfunk. Aber: "Wir sind stolz darauf, plurale Parteien zu sein, wo Menschen unterschiedliche Auffassungen vertreten und unterschiedliche politische Ziele haben."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Ronald Pofalla

(apd/pst)