Tausende demonstrieren auf dem Tahrir-Platz: Waffenruhe in Kairo zeigt Wirkung

Tausende demonstrieren auf dem Tahrir-Platz: Waffenruhe in Kairo zeigt Wirkung

Nach fünf Tagen teils heftiger Kämpfe in Kairo hat eine am Donnerstag in Kraft getretene Waffenruhe Wirkung gezeigt. Auf dem Tahrir-Platz in der ägyptischen Hauptstadt versammelten sich dennoch tausende Demonstranten, um weiter den Rücktritt des Militärrates zu fordern, der Ägypten seit dem Sturz von Präsident Husni Mubarak im Februar regiert.

Seit Samstag war es zu den bisher schwersten Unruhen seit Mubaraks Rücktritt gekommen. Dabei gab es mindestens 40 Tote und mehr als 2\.000 Verletzte. Die Waffenruhe galt ab 6\.00 Uhr am Donnerstagmorgen (Ortszeit). Sie wurde von ägyptischen Geistlichen ausgehandelt und schien bei Sonnenuntergang noch zu halten.

"Wir gehen nicht, er geht", skandierten Demonstranten auf dem Tahrir-Platz. Sie bezogen sich auf den Vorsitzenden des Militärrates, Feldmarschall Hussein Tantawi, der dem gestürzten Präsidenten Mubarak 20 Jahre als Verteidigungsminister diente.

"Geh Marschall, Ägypten soll nicht von einem Feldmarschall regiert werden", riefen einige Demonstranten. "Die Streitkräfte sind wie die Polizei, ein Mittel der Unterdrückung", sagte Demonstrantin Majada Chalaf.

Militärrat hält an Fahrplan für Wahl fest und tritt nicht ab

Unterdessen bestätigte der umstrittene Militärrat den zeitlichen Ablauf der kommende Woche beginnenden Parlamentswahl. Trotz der Proteste und Ausschreitungen solle der Zeitplan eingehalten werden, erklärte der Rat am Donnerstag in einer Stellungnahme.

Generalmajor Mamduh Schaheen, Mitglied des Militärrates, sagte auf einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz, alle drei Stufen der Wahl würden planmäßig stattfinden. Die Wahl soll am kommenden Montag beginnen, zwei weitere Termine folgen in den Monaten danach.

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Ein weiteres Mitglied des Rates, Generalmajor Muchtar el Mallah, wies die Forderungen der Demonstranten nach dem sofortigen Rücktritt des übergangsweise regierenden Militärrates zurück. Ein solcher Schritt käme einem Vertrauensbruch gegenüber dem ägyptischen Volk gleich, sagte er.

Der Rat sei auf Geheiß des Volkes an der Macht. Demonstranten auf dem Tahrir-Platz repräsentierten nicht ganz Ägypten. Man werde die Macht nicht angesichts einer protestierenden Menge abgeben, sagte Mallah. Er rief dazu auf, den Fokus auf die Wahl und nicht auf die Proteste zu legen.

Ratingagentur stuft Kreditwürdigkeit Ägyptens ab

Zuvor hatten sich die Streitkräfte in einer Stellungnahme für die Todesfälle bei den jüngsten Protesten entschuldigt und zugesichert, die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen. Soldaten errichteten Barrikaden, um die Demonstranten in den Seitenstraßen um den Tahrir-Platz von den Polizisten zu trennen. Die meisten Kämpfe der vergangenen Tage ereigneten sich in diesen Nebenstraßen.

Die Ratingagentur Standard & Poors stufte unterdessen die Kreditwürdigkeit Ägyptens von BB- auf B+ herab. Die ägyptische Wirtschaft ist wegen der seit neun Monaten anhaltenden, ungewissen politischen Lage bereits schwer angeschlagen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: November 2011 - Tahrir-Platz: Tränengas, Feuer und Steine

(APD)
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