Alexander Gerst findet nur schwer Worte für Weltraum-Spaziergang

Deutscher Astronaut auf der ISS : Gerst zeigt Selfie von Weltraum-Spaziergang

Als "Meisterleistung" hat Deutschlands Raumfahrtchef Jan Wörner den Einsatz von Astronaut Alexander Gerst im freien All gewürdigt. "Das war eine scheinbar kleine Aktion für Alexander Gerst, aber wieder ein großer Schritt für die deutsche Raumfahrt", sagte der Vorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Die etwa sechsstündigen Arbeiten an der Internationalen Raumstation ISS habe er mit "Spannung und Begeisterung" verfolgt, sagte Wörner. Gerst war am Dienstag als dritter Deutscher in den freien Kosmos ausgestiegen. Er finde nur schwer Worte für das Ereignis, meinte Gerst per Twitter.

Vielen Dank an die #BlueDot-Teams der @esa_de und des @dlr_de für diese erfolgreiche Mission! pic.twitter.com/StlVNw6jF9

Zusammen mit seinem US-Kollegen Reid Wiseman packte der Geophysiker etwa 400 Kilometer über der Erde zunächst eine sperrige Kühlpumpe um und installierte dann ein Aggregat für die Stromversorgung des Roboterarms. Da ihnen die Arbeit schneller von der Hand ging als geplant, erhielten die Astronauten weitere Aufgaben wie etwa das Ersetzen einer Lampe. "Es war eine tolle Erfahrung - und eine Ehre, sie mit Alex zu teilen", teilte Wiseman danach mit. Die ISS funkle im Sonnenlicht wie eine riesige Libelle aus Gold.

Vorsichtig hatten die beiden Astronauten die Raumstation durch eine Luke verlassen, wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa in einer Übertragung im Internet zeigte. Die ersten Minuten im freien All verbrachten sie mit der vorgeschriebenen Sicherheitsprüfung. Die Männer kontrollierten gegenseitig ihre Raumanzüge - schon ein geringer Defekt ist hochriskant in dem lebensfeindlichen Umfeld. "Das ist kein "Weltraumspaziergang", sondern ein akribisch geplanter und körperlich sehr anstrengender Einsatz", sagte Volker Schmid vom DLR in Köln.

"Gruß an alle Raumfahrtbegeisterten in Deutschland", sagte Gerst danach. Er ist nach Thomas Reiter (2006) und Hans Schlegel (2008) der dritte Deutsche im freien Kosmos. Der 38-Jährige aus Künzelsau (Baden-Württemberg) arbeitet seit Ende Mai auf der Raumstation und soll Anfang November zur Erde zurückkehren. Außer ihm und Wiseman befinden sich derzeit zwei Kosmonauten und eine Kosmonautin sowie ein weiterer Amerikaner auf dem Außenposten der Menschheit. Wiseman soll nächste Woche erneut ins All aussteigen, diesmal mit seinem Landsmann Barry Wilmore. Für Gerst ist kein weiterer Außeneinsatz vorgesehen.

Bei den gefahrvollen Arbeiten sind Raumfahrer mit einer Leine gesichert. Zudem tragen sie einen Raketenrucksack, der sie notfalls zur ISS zurück manövrieren kann. Ihre Raumanzüge gelten als "kleines Raumschiff" - sie verfügen über ein Lebenserhaltungssystem mit Sauerstoffzufuhr, Klimaanlage und EKG, das die Herzfrequenz misst.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Alexander Gerst spaziert durchs Weltall (2014)

(dpa)