Komposthaufen und Co.: Gärtnern ohne Chemie

Komposthaufen und Co.: Gärtnern ohne Chemie

Gekaufte Pflanzenschutzmittel, Pestizide oder Düngemittel kommen in einem biologischen Garten nicht zum Einsatz. Wie allein mit ökologischen Mitteln ein Garten bestellt werden kann, verrät Marja Rottleb, Gartenreferentin vom Nabu.

Ein Komposthaufen in der einen, ein Brennnesselfeld in der anderen Ecke, dazwischen Rasen und Gemüsebeete: So etwa könnte ein ökologischer Garten aussehen. Bewirtet wird er ganz ohne Chemie: Pflanzenschutzsprays und Düngemittel können ganz leicht selbst gemacht werden - die Zutaten dafür kommen direkt aus der Natur.

"Wer seinen Garten biologisch umstellen möchte, sollte mit einem Komposthaufen beginnen", sagt Marja Rottleb, Gartenreferentin vom deutschen Naturschutzbund (Nabu). Denn der fertige Kompost ist ein guter Dünger für Blumen, Gemüse, Sträucher und Bäume. "Er enthält die wichtigsten Nährstoffe", sagt Rottleb. Wer sich einen Komposthaufen zulegen möchte, kann in einem Baumarkt fertige Vorrichtungen kaufen - sie gibt es in Plastik und Holz. "Aus ökologischen Gründen raten wir zur Holzvariante", sagt Rottleb. Als Standort sei ein schattiges Plätzchen ideal. Ohne Bedenken kompostiert werden kann alles, was aus dem Garten kommt, also Laub, Gemüse oder Obst. "Die Nährstoffe, die dem Garten entzogen werden, kehren so wieder in den Kreislauf zurück", sagt Rottleb. Aber auch Kaffee und Küchenabfälle sind für den heimischen Kompost geeignet. Verzichten sollte man hingegen auf Fleisch und Knochenreste sowie Papier und Schalen von Südfrüchten, wenn sie nicht gerade aus biologischem Anbau sind. Wenn der Haufen eine Höhe von etwa einem Meter erreicht hat, sollte er mit Erde abgedeckt werden und für mindestens zehn Monate ruhen.

Wer keinen Komposthaufen hat, der kann mit ein paar Küchenabfällen seinen Pflanzen trotzdem etwas Gutes tun. Schwarzer Kaffeesatz ist reich an Kalium, Phosphor und Stickstoff, und man kann ihn am besten noch feucht in die Erde eines Beets oder eines Kübels einarbeiten. Kaffee hat eine leicht säuernde Wirkung und eignet sich deshalb besonders für Moorbeet-Pflanzen wie Rhododendron.

Wer einen Kamin oder eine Feuerschale besitzt, der kann je nach Bodenbeschaffenheit auch die Holzasche in den Beeten verstreuen. Sie enthält Mineralstoffe, Kali und Spurenelemente. Man sollte aber nur unbehandeltes Holz dafür verwenden, es darf aber zum Beispiel nicht lackiert sein.

Neben dem Kompostieren gibt es auch andere pflanzliche Dünger. Marja Rottleb rät zu einem Brennnessel-Sud. Denn in der Pflanze stecken wertvolle Inhaltsstoffe, die nicht nur das Wachstum der Pflanzen anregen, sondern sie auch stärken und vor Schädlingen wie Blattläusen und Spinnmilben schützen. Das Rezept ist schnell erklärt: "Auf ein Kilo Brennnessel kommen zehn Liter Wasser", sagt Rottleb. Die Brühe bleibt dann zehn Tage stehen und wird täglich umgerührt, bis die Mischung Blasen wirft. "Wenn es schneller gehen soll, kann man sie aber auch als Tee aufkochen."

Vor dem Gebrauch sollte man den Sud noch verdünnen, etwa eins zu fünf bis eins zu zehn, um damit Pflanzen zu gießen. Noch weiter verdünnt, kann man sie auch auf Blätter sprühen, um sie vor Schädlingen zu bewahren. Der Sud eignet sich auch für den Rasen: erst düngen, dann reichlich wässern. Sud ist übrigens ein hübsches Wort, oft wird die Brühe auch Brennnesseljauche genannt. So riecht sie auch - aber künstlicher Dünger duftet auch nicht immer nach Rosen.

Ein weiterer Geheimtipp sei ein Sud aus Ackerschachtelhalm, jene Pflanze die auch als Zinnkraut oder Katzenwedel bekannt ist. "In seinen Trieben steckt Kieselsäure, die die Außenhaut der Pflanzen kräftigt und sie vor Schädlingserregern schützt", sagt Rottleb, "es ist ein wunderbares Mittel gegen Pilzbefall." Auch hier gilt: Ein Kilogramm frische Halme auf zehn Liter Wasser. "Man kann auch getrocknete Halme nehmen, dann braucht man nur 150 Gramm", rät die Expertin. Der fertige Sud wird dann in die Erde gegeben oder in eine Sprühflasche gefüllt, mit der die Pflanzen eingesprüht werden können.

Eine Art natürlicher Dünger sei es auch, wenn in Gemüsebeeten die richtigen Pflanzen nebeneinandergesetzt werden - eine sogenannte Mischkultur. Sie fördern gegenseitig ihr Wachstum, verbrauchen unterschiedliche Nährstoffe und halten Schädlinge voneinander fern. Pflanzen der gleichen Familie sollten so nicht nebeneinander angebaut werden. Dill zum Beispiel harmoniert mit Erbsen, Möhren, Salat und Zwiebeln. Kartoffeln hingegen vertragen sich gar nicht mit den aufgezählten Sorten. Sie bevorzugen Bohnen, Mais oder Spinat.

"Im Internet und in Fachbüchern findet man ausführliche Tabellen dazu, welche Pflanze zu wem passt", sagt Rottleb. "Um Unkraut im Beet zu verhindern, kann man mit Bodendeckern arbeiten", sagt Rottleb. Als Beispiel nennt sie "Storchschnäbel" oder "Gundermann."

Eine richtige Geheimwaffe bei der natürlichen Schädlingsbekämpfung ist die Studentenblume, ein gelb-oranges Gewächs aus Amerika. Sie strömt einen Duft aus, der Fliegen fernhält und Schädlinge wie Fadenwürmer und Bodenälchen vernichtet. "Schnecken mögen die Studentenblume dafür besonders gerne", verrät Rottleb. "Man könnte sie also taktisch klug anpflanzen, um die Schnecken von den Salatköpfen wegzulocken. Sozusagen als Ablenkung." Ansonsten helfe bei Schneckenbefall nur das regelmäßige Absammeln der Tiere.

Überhaupt sei die Gartenexpertin dafür, möglichst keine Tiere umzubringen. Denn ein ökologischer Garten lebt von seinem Gleichgewicht zwischen allen Lebewesen: Vögel und Insekten seien so nicht immer nur unerwünschte Eindringlinge, sondern wahre Nützlinge. "Vögel zum Beispiel fressen viele Insekten von Pflanzen ab", sagt Rottleb, "Marienkäfer wiederrum befreien Pflanzen von Blattläusen." So sollte darauf geachtet werden, dass sowohl Insekten als auch Vögel im Garten vorhanden sind - dann nehme die Natur ihren eigenen Lauf.

(ubg)