Kritik am stillen Feiertag: Kevin Kühnert will Tanzverbot an Karfreitag abschaffen

Kritik am stillen Feiertag : Juso-Chef Kühnert fordert Abschaffung von Tanzverbot an Karfreitag

Karfreitag ist ein Stiller Feiertag. In allen Bundesländern herrscht Tanzverbot, Filme dürfen nicht gezeigt werden. Jetzt hat Juso-Chef Kevin Kühnert gefordert, zumindest die Tanzverbote abzuschaffen. Prompt gibt es Kritik.

Juso-Chef Kevin Kühnert hat die Abschaffung des Tanzverbots an Karfreitag gefordert. Er würde keine Party in einer Kirche anmelden, sagte Kühnert dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Doch "wer an dem Tag in die Disko gehen will, sollte das auch tun können".

Die Entscheidung, am Karfreitag zu feiern, müsse jedem selbst überlassen werden, sagte Kühnert. Jeder könne sich in seinem Verein seine eigenen Regeln geben. "Aber die gelten dann nicht automatisch für alle." Er selbst werde an Karfreitag wahrscheinlich nicht tanzen- allerdings nicht aus religiösen Gründen, sondern weil er nur noch selten dazu komme.

Kritik kam schnell auf: So sprach sich Frankfurts Oberbürgermeister Uwe Becker für die Karfreitagsruhe aus. „An einigen wenigen Tagen im Jahr auf lautes Feiern zu verzichten, stellt keine besondere Einschränkung dar. Es ist vielmehr eine wichtige Geste, die von Respekt gegenüber den Mitmenschen zeugt und das friedliche Zusammenleben in unserer Stadt fördert“, sagte Becker am Mittwoch.

Der Karfreitag sei als christlicher Feiertag dem Gedenken an das Leiden und die Kreuzigung Jesu Christi gewidmet. „Dies verträgt sich nicht mit lautem und ausgelassenem Feiern“, erklärte Becker. „Auch wer selbst nicht einer Religion angehört, sollte gegenüber den Gefühlen anderer Respekt aufbringen.“ Nach dem Hessischen Feiertagsgesetz sind von Gründonnerstag um vier Uhr an bis Karsamstag um Mitternacht öffentliche Tanzveranstaltungen verboten, an Sonntagen und gesetzlichen Feiertagen von vier Uhr bis zwölf Uhr.

Auch der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse kritisierte Kühnert. „Ich bin erstaunt darüber, was Kevin Kühnert für wichtig hält und welche Interessen er bedienen will“, sagte Thierse dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.

Der 75-Jährige sagte: „Bisher wusste ich nicht, dass die SPD eine Spaßpartei ist. Ich bin in die SPD eingetreten, weil sie für Gerechtigkeit und Solidarität eintritt und nicht für die Interessen einer im Übrigen höchst erfolgreichen Klubkultur.“ Thierse ist Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken.

Am Dienstag hatte das Verwaltungsgericht Stuttgart eine Veranstaltung an Karfreitag unter Auflagen erlaubt. Ein Veranstalter hatte in einem Eilantrag gegen die Landeshauptstadt geklagt, um vom grundsätzlichen Veranstaltungsverbot befreit zu werden. Stuttgart wurde verpflichtet, die Vorführung der Filme "Das Wort zum Karfreitag (mit humanistischem Tanzsegen)" und "Das Leben des Brian" bei geschlossenen Fenstern und Türen zu erlauben.

(mja/AFP/KNA/dpa)
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