Kardinal Karl Lehmann ist am Sonntag gestorben

Langjähriger Bischof von Mainz: Kardinal Karl Lehmann ist tot

Kardinal Karl Lehmann ist tot: Abschied vom großen Theologen

Der frühere Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, ist tot. Der 81-Jährige starb nach Angaben des Bistums am Sonntagmorgen in seinem Haus in Mainz. Er hatte im Herbst vergangenen Jahres einen Schlaganfall erlitten.

"Das Bistum Mainz trauert um einen weit über die Kirche hinaus hoch anerkannten Theologen und Seelsorger, einen leidenschaftlichen Brückenbauer zwischen den Konfessionen und einen Zeugen des Glaubens inmitten der Gesellschaft", teilte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf mit. Politiker und Geistliche würdigten Lehmann als "großen Menschenfreund" und "das sympathische Gesicht & Herz von Mainz".

Das Bistum Mainz hatte am Montag öffentlich gemacht, dass sich Lehmann in einem lebensbedrohlichen Gesundheitszustand befand. Der Gesundheitszustand des 81-Jährigen sei "kritisch", schrieb Bischof Kohlgraf in einem Brief an die Pfarrgemeinden und Mitarbeiter im Bistum. Seit September des vergangenen Jahres kämpfe Lehmann mit den Folgen eines Schlaganfalls und einer Hirnblutung. Seine Kräfte würden schwinden. Der Kardinal habe signalisiert, "dass er sich nun auf den Weg macht - das letzte Stück seiner irdischen Pilgerreise".

Lehmann war 1936 in Sigmaringen in Baden-Württemberg geboren worden. Er wurde 1983 Bischof in Mainz und blieb es rund 33 Jahre bis 2016. Das Bistum erstreckt sich auf Gebiete in Hessen und Rheinland-Pfalz, dazu kommt die Exklave Wimpfen in Baden-Württemberg. Von 1987 bis 2008 leitete Lehmann die Deutsche Bischofskonferenz. Anfang 2001 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Kardinal (Bilder aus seinem finden Sie hier).

Brückenbauer und Fußballfan

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Im Mai 2016 ging er mit 80 Jahren in den Ruhestand. Er hatte den Papst aus Altersgründen darum gebeten, seinen Dienst als Bischof zu beenden. Zu seinem Abschied kamen rund 1200 Menschen in den Mainzer Dom. Danach wollte Lehmann weiter in Theologie, Philosophie und Ökumene tätig sein. Im August 2017 trat Kohlgraf seine Nachfolge an - das war der letzte öffentliche Auftritt von Lehmann.

Kardinal Karl Lehmann galt als Brückenbauer und Mann des Dialogs mit der Moderne. Er stand für eine weltoffene Kirche und war aktiv beteiligt an der Wahl von Papst Franziskus im Jahr 2013. Er bezog in vielen Debatten klar Stellung - zum Beispiel mit seinem gemäßigt liberalen Kurs bei der Schwangeren-Konfliktberatung und bei wiederverheirateten geschiedenen Katholiken.

Er setzte sich für ein Diakonenamt für Frauen ein. Während der Flüchtlingskrise warb er für Solidarität und Verständnis. 2016 sprach er in einer Vorlesung in Duisburg über "Fremde und Heimat". Dabei bezeichnete er die Gastfreundschaft als "wichtigste Form der Nächstenliebe" und eine "Tugend aller Christen". Lehmann zeigte sich beunruhigt über die AfD und hielt sie aus christlicher Sicht nicht für wählbar. Für seine Verdienste um die Verständigung zwischen den christlichen Kirchen ehrte ihn die Evangelische Kirche in Deutschland 2016 als ersten katholischen Träger mit der Martin-Luther-Medaille.

Der Kardinal war auch Autor zahlreicher Bücher - und Ehrenmitglied des Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05. Als einen der Höhepunkte in seiner Zeit als Mainzer Bischof bezeichnete er einmal den Katholikentag 1998 in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. Tiefpunkte waren für ihn die Fälle sexuellen Missbrauchs und die Auswirkungen der Affäre um den früheren Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Der hatte rund 30 Millionen Euro in einen protzigen Bischofssitz verbaut und war im März 2014 unter anderem deswegen abberufen worden. Dieser Finanzskandal hatte viele Kirchenaustritte zur Folge.

(wer)