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Was Kinder und Jugendliche in der Pandemie in sich hineinstopfen

Mehr Obst, weniger Wurst, aber... : Was Kinder und Jugendliche in der Pandemie alles in sich hineinstopfen

Wie steht es um die Ernährung der Deutschen in Pandemie-Zeiten? Das haben Ernährungsforscher der TU München wissen wollen und eine Umfrage zum Essverhalten startet. Die Studie wurde nun vorgestellt.

Schokolade, Eis und Chips: Seit Beginn der Corona-Pandemie essen Kinder in Deutschland mehr Süßigkeiten sowie salziges Knabberzeug und bewegen sich teilweise weniger. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage, die Ernährungsforscher der Technischen Universität München (TUM) am Freitag vorstellten. Der Studie zufolge erhöht die Covid-19-Pandemie damit das Risiko für Übergewicht und Fehlernährung bei Kindern.

Die Ernährungsforscher des Else-Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin (EKFZ) an der Münchner Universität und das Meinungsforschungsunternehmen Forsa befragten im September rund tausend Elternteile von Kindern bis 14 Jahren. 38 Prozent der Eltern geben demnach an, dass sich ihr Kind seit Beginn der Pandemie weniger bewegt hat. Besonders häufig ist dies bei den Zehn- bis 14-Jährigen der Fall - rund die Hälfte in dieser Altersgruppe (57 Prozent) bewegt sich merklich weniger.

Auf der anderen Seite essen vor allem die älteren Kinder seit dem Lockdown zwar mehr Obst und Gemüse sowie weniger Fleisch und Wurst. Aber sie greifen eben auch häufiger zu Süßem wie Schokolade, Gummibärchen und Eis sowie zu Chips und Salzstangen. Vor allem Jungen konsumieren demnach häufiger als vor der Pandemie Knabberartikel (20 Prozent), Süßigkeiten (22 Prozent) und Softdrinks (zwölf Prozent).

Unter den verschiedenen Altersgruppen waren es vor allem die zehn- bis zwölfjährige Kinder, die während des Lockdowns Süßem (23 Prozent) oder Salzigem (28 Prozent) seltener widerstehen konnten.

Das hat teilweise Folgen für das Gewicht. Neun Prozent der Kinder haben nach Aussage ihrer Eltern in der Corona-Krise zugenommen. Eine Gewichtszunahme ist der Studie zufolge besonders bei zehn- bis zwölfjährigen Kindern zu beobachten, wobei Jungen mit 27 Prozent doppelt so häufig betroffen sind wie Mädchen (14 Prozent). Zum Vergleich: Bei den Eltern selbst sagen mehr als ein Viertel, dass sie coronabedingt an Kilos zugelegt haben.

Wenn Kalorienaufnahme und -verbrauch langfristig auseinanderklaffen, "kann dies Übergewicht begünstigen", erklärte der Münchner Ernährungsforscher Hans Hauner. Er verwies darauf, dass in Deutschland bereits mindestens jedes sechste Kind übergewichtig sei.

Wie die Studie weiter zeigt, ernähren sich insgesamt 14 Prozent der Familien seit Pandemiebeginn nach eigenen Angaben gesünder als vorher. Sieben Prozent ernähren sich weniger gesund, und bei 79 Prozent gibt es keine Änderung. Diese Trends sind der Studie zufolge weitgehend unabhängig von Einkommen und Bildungsstand.

In fast jeder dritten Familie wird häufiger für die Kinder gekocht als vor der Krise. Das gilt vor allem für Eltern, die im Homeoffice gearbeitet haben. Zwei Drittel der Eltern kochen nicht anders als vor der Pandemie, und nur drei Prozent kochen seltener.

Bei der Nutzung von Lieferdiensten hat sich vergleichsweise wenig geändert. Nur acht Prozent der Familien lassen sich häufiger Mahlzeiten liefern, elf Prozent nutzen den Service seltener. Bei 81 Prozent hat sich nichts verändert.

(mja/AFP)