Amnesty International: Syrien verbreitet "unerträgliches Leid"

Kriegsverbrechen : Assad soll erneut Fassbomben gegen sein Volk eingesetzt haben

Die syrische Armee soll Rebellengebiete zum wiederholten Male mit Streubomben angegriffen haben - Amnesty International spricht von einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Die gefürchteten Fassbomben der syrischen Armee haben nach Darstellung von Amnesty International seit 2012 mehr als 11 000 Zivilisten in dem Bürgerkriegsland in den Tod gerissen. Das Militär verbreite damit "schieren Terror und unerträgliches Leid", erklärte die Menschenrechtsgruppe am Dienstag und sprach von Kriegsverbrechen. Mit Blick auf die Kämpfe in der einstigen Wirtschaftsmetropole Aleppo erhob Amnesty auch schwere Vorwürfe gegen Aufständische.

Aleppo ist seit einem Angriff der Rebellen Mitte 2012 eines der umkämpftesten Schlachtfelder des Bürgerkriegs, der insgesamt mehr als 220 000 Menschen das Leben gekostet hat. Die Stadt ist zwischen Rebellen und Regierungstruppen geteilt. Die Aufständischen feuern auf Wohngebiete unter Kontrolle der Regierung. Diese wirft immer wieder ihre Fassbomben auf Rebellengebiete, also große, mit Sprengstoff und Splittern gefüllte Behälter. Diese haben nach Erkenntnissen von Amnesty allein in Aleppo 3000 Zivilisten getötet.

"Weit verbreitete Gräueltaten, vor allem das teuflische und unnachgiebige Luft-Bombardement ziviler Viertel durch Regierungstruppen, machen das Leben für Zivilisten in Aleppo immer unerträglicher", sagte Amnesty-Vertreter Philip Luther. "Diese verachtenswerten und unaufhörlichen Luftschläge gegen Wohngebiete deuten auf eine Strategie, die sich gezielt und systematisch gegen Zivilisten richtet, mit Angriffen, die Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen." Das Bombardement laufe auf eine kollektive Bestrafung der Zivilbevölkerung von Aleppo hinaus, fügte Luther hinzu.

Den Aufständischen wirft Amnesty vor, mit unpräzisen Waffen wie Mörsergranaten und improvisierten Raketen auf Viertel unter Kontrolle der Regierung gefeuert zu haben. Allein 2014 sollen durch solche Angriffe mindestens 600 Zivilisten getötet worden sein. Kämpfer beider Seiten hätten sich zudem Verbrechen wie Folter, willkürliche Verhaftung und Geiselnahme schuldig gemacht, berichtet die Menschenrechtsorganisation. Sie rief die syrische Regierung und ihre Gegner auf, solche Auswüchse und die Angriffe auf Zivilisten einzustellen.

(ap)