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Islamischer Staat - Ägypten bombardiert Ziele in Ostlibyen

Kampf gegen IS : Ägypten bombardiert Ziele in Libyen

Die ägyptische Luftwaffe hat einen Vergeltungsangriff auf IS-Stellungen im Osten Libyens geführt. Der nordafrikanische Staat nahm damit Rache für ein im Internet kursierendes Video, das die Enthauptung von 21 ägyptischen IS-Geiseln zeigt.

Nach der mutmaßlichen Enthauptung von 21 koptischen Christen durch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat Ägypten erstmals Stellungen des IS in Libyen bombardiert. Kampfflugzeuge hätten Stützpunkte und Waffendepots der Extremisten bombardiert, teilte die ägyptische Armee am Montag mit. Der libysche Luftwaffenkommandeur Sakr al-Dscharuschi sagte, es seien mindestens 50 Menschen bei den Angriffen im östlichen Derna getötet worden.

Der IS hatte am Sonntag ein Video veröffentlicht, in dem 21 gefesselte Männer in orangefarbener Kleidung zu sehen sind, die von schwarzgekleideten IS-Kämpfern an einem Strand in der libyschen Provinz Tripolis entlanggeführt werden. Später wird die Enthauptung von mindestens zehn der Gefangenen gezeigt. Bei den Opfern handelt es sich dem libyschen IS-Ableger zufolge um im Januar entführte ägyptische Kopten, die zum Arbeiten nach Libyen gekommen waren.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi kündigte daraufhin eine "angemessene Reaktion" an. Das Außenministerium warnte, ohne eine "harte Intervention" in Libyen stellten die "Terrorgruppen" eine Bedrohung der internationalen Sicherheit dar. Die koptische Kirche ebenso wie die renommierte islamische Al-Ashar-Universität in Kairo verurteilten die Ermordung der Kopten. Solch eine Tat habe nichts mit einer Religion der menschlichen Werte zu tun, erklärte Al-Ashar.

Die ägyptische Regierungszeitung "Al-Achbar" titelte: "Rache ist auf dem Weg." Die Luftwaffe flog am Montag mindestens sieben Luftangriffe auf die Küstenstadt Derna im Osten Libyens. Das Gebiet gehört zu den Hochburgen der Islamisten. Es war das erste Mal, dass Ägypten offiziell Luftangriffe auf Islamisten im Nachbarland flog. Medienberichten zufolge hatte Ägypten zuvor bereits den Vereinigten Arabischen Emiraten erlaubt, Flughäfen für Angriffe auf IS-Kämpfer in Libyen zu nutzen.

Der libysche Luftwaffenkommandeur al-Dscharuschi sagte im ägyptischen Fernsehen, Ägypten habe "das Recht, seine Kinder zu verteidigen". Bei den Angriffen in Derna seien mindestens 50 Menschen getötet worden. Es gebe eine enge Koordination zwischen der libyschen und der ägyptischen Luftwaffe, sagte al-Dscharuschi. Die Streitkräfte der international anerkannten Regierung liegen selbst im Konflikt mit den islamistischen Milizen, die Teile Libyens kontrollieren.

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Herbst 2011 herrschen in Libyen Chaos und Gewalt mit zwei rivalisierenden Regierungen. Das libysche Parlament, das ebenso wie die Regierung vor den Islamisten ins östliche Tobruk geflohen ist, erklärte Kairo sein Beileid für die Ermordung der Kopten. Das von Islamisten eingesetzte Gegenparlament in Tripolis verurteilte dagegen die ägyptischen Angriffe als "Aggression" und als "Verletzung der nationalen Souveränität".

Italien könnte eine Führungsrolle bei einer internationalen Aktion in Libyen übernehmen, wie es aus Regierungskreisen hieß. Ihr Land sei dazu aus geografischen, historischen und wirtschaftlichen Gründen bereit, sagte Verteidigungsministerin Roberta Pinotti am Sonntag der Zeitung "Il Messaggero". Bislang sei eine solche Intervention aber nur Theorie. Ministerpräsident Matteo Renzi sagte dem Fernsehsender TG5, dass Italien zunächst weitere Entscheidungen des UN-Sicherheitsrats abwarten wolle.

Die US-Regierung erklärte, die "verachtenswerten und feigen" Morde würden die internationale Gemeinschaft nur in ihrer Entschlossenheit im Kampf gegen IS bestärken. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte den "barbarischen Terrorakt" und drückte Ägypten ebenso wie Bundespräsident Joachim Gauck ihr Beileid aus. Papst Franziskus äußerte sich "zutiefst traurig". Die Kopten seien für nichts anderes als für die Tatsache getötet worden, dass sie Christen seien.

Auch die islamistische Hamas-Bewegung verurteilte das "grauenvolle Verbrechen", welches das "Ansehen des Islam besudelt und gegen seine Prinzipien der Toleranz verstößt". Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi telefonierte mit al-Sisi nach den Luftangriffen. Renzi bekräftigte anschließend im Sender TG5 die italienische Forderung nach einer UN-Intervention in Libyen - betonte aber, zunächst seien diplomatische Schritte bei der UNO gefragt.

(ap & AFP)