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Mohammed-Karikaturen: Polemische Ausstellung mit blutigem Ausgang

Anschlag in Texas : Polemische Ausstellung mit blutigem Ausgang

Zwei Männer feuern in Texas auf ein Gemeindezentrum, in dem Mohammed-Karikaturen gezeigt werden. Die Polizei tötet die Angreifer.

Die Reden waren gehalten, und der Preis war verliehen - für eine Karikatur, die einen schwertschwingenden Propheten Mohammed zeigt. Die Veranstaltung im Curtis Culwell Center war fast zu Ende, als zwei Männer versuchten, auf den abgeriegelten Parkplatz zu fahren. Um verspätete Gäste konnte es sich kaum gehandelt haben, sagt Douglas Athas, der Bürgermeister von Garland, einer Satellitenstadt nordöstlich von Dallas. Aufpasser eines privaten Wachschutzes hätten den beiden Männern den Weg versperrt, worauf diese aus ihrem Auto gesprungen seien und begonnen hätten, mit Sturmgewehren um sich zu schießen.

Einer der Sicherheitsleute wurde am Knöchel verletzt. Polizisten, die die Kongresshalle wegen der Mohammed-Karikaturen bewachten wie eine Festung, erwiderten das Feuer. Innerhalb von Sekunden hätten die Angreifer tot auf dem Asphalt gelegen, hieß es. Noch ist jedoch nur bruchstückhaft bekannt, um wen es sich handelt. Einer der Männer, Elton Simpson aus Phoenix, stand nach Angaben des FBI bereits 2010 wegen Terrorverdachts vor Gericht. Angeblich wollte er nach Somalia fliegen, um sich Dschihadisten anzuschließen. Das wiederum bestritt er, als ihn ein Detektiv verhörte. Simpson bekam drei Jahre auf Bewährung.

Pamela Geller, um die es zuletzt ein wenig still geworden war, genießt hingegen einmal mehr ihre "fünf Minuten des Ruhms". Am Morgen nach dem vereitelten Anschlag lässt sie sich von einem Fernsehstudio zum nächsten schalten, sie spricht schrill und polemisch wie immer: "Ich bin mir sicher, der Präsident wird sich bald zu Wort melden, um nochmals zu erklären, dass der ,Islamische Staat' mit dem Islam nichts zu tun hat", spottet sie bei Fox News über Barack Obama. Geller, eine Bloggerin aus Manhattan, hatte den Karikaturen-Wettstreit in Texas organisiert und den niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders als Gastredner eingeladen. Die Medien übten ja Selbstzensur, statt die Fahne der Meinungsfreiheit hochzuhalten, begründete sie ihren Schritt.

Es ist nicht das erste Mal, dass die New Yorkerin mit ihrer Lust an der Provokation im Rampenlicht steht. Als ein aus Ägypten stammender Unternehmer namens Sharif El Gamal in der Nähe der zerstörten Zwillingstürme Manhattans ein islamisches Zentrum samt Gebetssaal bauen wollte, sprach Geller entrüstet von der "Ground-Zero-Moschee" und trommelte zum Widerstand. Nur ein säkularer Muslim sei ein gemäßigter Muslim, sagte sie. Einmal forderte Geller, den Felsendom vom Tempelberg in Jerusalem zu entfernen.

Die Idee mit dem Wettbewerb für die beste Mohammed-Karikatur (Preisgeld: rund 9000 Euro) verstand Geller als Antwort auf eine Konferenz amerikanischer Muslime. Als das Blutbad in der Redaktion der französischen Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" die Welt schockierte, wählte eine muslimische Stiftung das Curtis Culwell Center als Ort, um sich von den Attentätern zu distanzieren. Man dürfe Terroristen nicht erlauben, sich des Namens des Propheten zu bedienen, auf dem Namen des Propheten herumzutrampeln, um ihre Verbrechen zu rechtfertigen, hieß es.

Und so ist es Angus King, ein parteiloser Senator aus Maine, der die derzeitige Stimmungslage in Amerika auf den Punkt bringt: Eine solche Ausstellung sei keine gute Idee, das müsse man sagen. "Aber wir sind ein Land der freien Rede, und das schließt ein, sich über andere lustig machen zu dürfen", betont King.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Angriff bei Mohammed-Karikaturen-Ausstellung

(RP)