Wuppertal: Musikhochschule öffnet sich

Wuppertal : Musikhochschule öffnet sich

Mit den öffentlichen Konzerten erreicht die Abteilung Wuppertal der Musikhochschule Köln mittlerweile mehrere tausend Zuhörer jedes Semester. Direktor Lutz-Werner Hesse erläutert die Attraktivität des Angebots.

Noch ist es relativ ruhig in der Musikhochschule. Nur vereinzelt hört man jemanden singen, erklingt ein Klavier hinter verschlossenen Türen. Das wird sich ändern, sobald kommenden Montag das Sommersemester beginnt. Dann strömen die 200 Studenten wieder herbei, besuchen ihre Kurse und üben für anstehende Konzerte. Denn die Musikhochschule in Wuppertal veranstaltet 20 bis 30 Konzerte jedes Semester. "Wir sind zu einem Kulturfaktor des Bergischen Landes geworden", sagt Professor Lutz-Werner Hesse, Direktor der Musikhochschule Köln, Abteilung Wuppertal.

Fünf Ensembles geben Konzerte

Als er vor 27 Jahren in Wuppertal anfing, gab es pro Semester etwa zwei öffentliche Konzerte. Das hat sich grundlegend verändert und hat auch mit der Öffnung der Musikhochschule nach außen zu tun. "Wir dürfen nicht eine Institution im Elfenbeinturm werden, sondern müssen konkret greifbar und verankert in der Region sein", findet Hesse, der 2009 die Musikhochschulleitung von Professor Dieter Kreidler übernommen hat. Mittlerweile kommen 2000 bis 3000 Zuhörer in den Konzertsaal der Musikhochschule, in dem bis zu 120 Zuhörer Platz finden, oder zu den großen Konzerten in Stadthalle oder Immanuelskirche. Die Attraktivität des Angebots begründet der Direktor so: "Die Konzerte stellen ein niederschwelliges Angebot dar: Sie kosten keinen Eintritt, und man muss sich nicht schick machen." Manche Leute kämen aufgrund der Nähe zur City Barmen direkt vom Einkaufen zum Konzert in die Musikhochschule.

Mittlerweile gibt es fünf Ensembles mit unterschiedlichen Ausprägungen, die regelmäßig öffentlich auftreten. Das Salonorchester stellt dabei eine Besonderheit dar, denn diese Art der gehobenen Unterhaltungsmusik, entstanden um die Jahrhundertwende 1900, gebe es an anderen Musikhochschulen nicht, erläutert Lutz-Werner Hesse, der selbst Komponist ist und Tonsatz, Gehörsatz und Musikwissenschaft unterrichtet. Albrecht Winter, Professor der Violine, gründete das Salonorchester vor zehn Jahren, als er vom Gewandhausorchester Dresden nach Wuppertal an die Hochschule kam.

Und einen weiteren Schritt in Richtung Öffnung vollzieht die Musikhochschule ab diesem Sommersemester. In der Reihe "Open Lectures" können Außenstehende alle paar Wochen dienstags an einer Unterrichtsstunde teilnehmen, mal beim Gesang (erstmals am 17. April, 17 Uhr), bei Gitarre oder Blockflöte.

2008 ist die Musikhochschule Wuppertal, die gemeinsam mit Aachen zur Musikhochschule Köln gehört, von Elberfeld nach Barmen gezogen, in den schön sanierten Backsteinbau des früheren Amtsgerichts Barmen. Nebenan, wo das Gefängnis einst stand, ergänzt ein Neubau das Platzangebot der Musikhochschule. Seit vier Jahren laufen die ersten Bachelor-Studiengänge, die 2008 eingeführt wurden. Einen "mühsamen Prozess" nennt Hesse die Umstellung vom Diplom auf Bachelor/Master. Die Angebote seien überfrachtet gewesen, die Studenten hätten keine Zeit mehr zum Üben gehabt.

Nun wurde die Studienordnung mehrfach geändert, so dass sich die Hochschule wieder anderen Aufgaben zuwenden kann: So sollen künftig nicht nur Musiklehrer und Künstler ausgebildet werden, sondern ebenfalls solche, die dazwischen stehen: freiberufliche Musiker, die auch unterrichten. Hesse: "Wir wollen ein eigenes Studienprofil entwickeln und Studenten vorbereiten auf das, was viele real nach dem Studium erwartet."

(RP)
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