Kreis Wesel: Das neue Gesicht der Lippemündung

Kreis Wesel: Das neue Gesicht der Lippemündung

Schlusspunkt einer gigantisch umgemodelten Landschaft: Bei Wesel wird im Zuge der Lippeverlegung jetzt eine Sohlgleite als bremsende Staustufe in das Flussbett gelegt. 12 000 Tonnen Steine werden zur Sicherung verbaut.

In Wesel beginnt nun die Arbeit am Schlusspunkt einer gigantischen Landschaftsmodellierung. Vor der Mündung der Lippe in den Rhein wird die lange erwartete Sohlgleite eingebaut. Die Aufschüttung wirkt wie eine Staustufe und soll den Wasserstand der neuen Lippe regulieren helfen. Wie mehrfach berichtet, ist in dem Mammutprojekt samt Auskiesung und naturnaher Neugestaltung mit Retentionsflächen fürs Hochwasser auch der Verlauf des Flusses verändert worden. Dies dient Ökologie und Ökonomie gleichermaßen: Die Lippeaue wird ein hochwertiges Biotop, was man schon sehr gut am zunehmenden Artenreichtum erkennen kann. Zudem wird Platz gemacht für die Trasse der neuen B 58-Südumgehung, die sich unmittelbar an die neue Rheinbrücke anschließen wird.

Foto: Malz, Ekkehart (ema)

Mitte Mai nun soll die Weseler Firma Hülskens im Auftrag des Lippeverbandes damit beginnen, das Bindeglied zwischen neuer und alter Lippe herzustellen. Die Sohlgleite wird 64 Meter lang und 45 Meter breit. Die Höhendifferenz beträgt 2,75 Meter. Um dieses Maß liegt, so Michael Steinbach (Lippeverband), der neue Lippeabschnitt, der am Restaurant Lippeschlösschen beginnt und weitgehend fertig ist, über der Lippemündung in den Rhein. Ohne die bremsende Sohlgleite würden das neu angelegte Flussbett und seine vom Hochwasser überflutete Aue in wenigen Jahren abgetragen werden. Damit dies nicht geschieht, halten Wasserbausteine — bis zu 800 Kilogramm schwer — das neue Bett. Insgesamt werden knapp 12 000 Tonnen Steine verbaut.

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Geplant, so Verbandssprecher Steinbach, ist folgender Bauablauf: Damit die Arbeiten so weit wie möglich von der Landseite erfolgen können, wird zunächst auf dem Südufer der heutigen Lippe parallel zum Flusslauf ein Bassin aus-gehoben. Zwischen dieser Baustelle und der Lippe bleibt ein Damm stehen. Dort können strömungsfrei Sandmatten und der Filteraufbau eingebaut werden, auf denen die Steinschüttung, die eigentliche Sohlengleite, ruht. Danach wird der Damm abgetragen und die Lippe in Richtung Rhein aufgeweitet. Nun muss die Sohlgleite auch auf das alte Bett ausgedehnt werden. Hier wird im fließenden Wasser gearbeitet, deswegen kommen ein Ponton und Schuten zum Einsatz. Abschließend wird die Sohle des alten Lippebettes oberhalb um 2,75 Meter angehoben und verbreitert, so dass der Fluss auch hier flacher wird.

Ebenfalls in der Schlussphase wird eine Umtragestelle für Kanus an der Gleite angelegt. Eine von Ruderern wegen ihrer empfindlichen Boote gewünschte Bootsgasse scheiterte in der Planung an Kosten und einem Bodendenkmal. Das Projekt ist nun mit 1,4 Millionen Euro kalkuliert. Unter optimalen Bedingungen könnten die Arbeiten im September fertig sein und noch 2013 die Lippe neu fließen.

(RP/ac)
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