Wesel: Berufsstand wird abgewertet

Wesel : Berufsstand wird abgewertet

Ingrid Rählert ist Leiterin der Evangelischen Kindertagesstätte an der Hansastraße in Emmerich. RP-Mitarbeiterin Monika Hartjes sprach mit ihr über den Vorschlag der Bundesagentur für Arbeit, Hartz VI-Empfänger zu Erziehern auszubilden, und über Probleme, im Kirchenkreis Wesel überhaupt genügend geeignete Bewerber zu finden.

Was sagen Sie dazu, dass Hartz VI-Empfänger zu Erziehern ausgebildet werden sollen?

Rählert Wenn es soweit kommt, wird der Beruf der Erzieherin noch niedriger angesiedelt, als er es ohnehin schon ist, der Status noch weiter heruntergeschraubt. Der Erzieherberuf findet in der Gesellschaft keine hohe Anerkennung. Es heißt oft: Singen, Basteln und mit den Kindern spielen, das kann doch jeder. Diese Haltung wird dadurch bestätigt, dass Hartz VI-Empfänger, im Gespräch sind ja beispielsweise auch die "Schlecker-Frauen", zu Erzieherinnen auszubilden.

Welche Voraussetzungen sind für den Erzieherberuf wichtig?

Rählert Wie in anderen Berufen auch braucht man eine fundierte Ausbildung, in der auch Psychologie und Pädagogik eine wichtige Rolle spielen. Schon während der schulischen Ausbildung zeigt sich oft, dass nicht jeder für den Erzieherberuf geeignet ist. Man braucht ein gutes Händchen im Umgang mit Kindern, da reicht nicht nur Lebenserfahrung.

Gibt es Probleme, geeignete Erzieher zu finden?

Rählert Als evangelische Einrichtung gehören wir dem Kirchenkreis Wesel an. In der letzten Leiterinnenrunde habe ich erfahren, dass es hier immer schwieriger wird, geeignete Erzieher zu bekommen. Ich glaube, dass wir in Zukunft einen Mangel an Erziehern haben werden. In meinen Augen sollte man aber gerade in diesem Beruf nicht jeden ausbilden. Der bessere Weg wäre, den Beruf attraktiver zu machen. Wichtig ist auch, dass das, was wir leisten, mehr Anerkennung findet. Dann würden sich auch mehr junge Leute für diesen Beruf entscheiden.

(RP)