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Schwalmtal: "Reinhold Schulz war einer wie du und ich"

Schwalmtal : "Reinhold Schulz war einer wie du und ich"

Schwalmtals verstorbener Bürgermeister war ein Mensch, der immer den Ausgleich suchte, mit dem man aber auch fair streiten konnte. Weggefährten erinnern sich.

"Reinhold Schulz war einer wie du und ich. Er war ehrlich und offen", sagt der stellvertretende Bürgermeister Kurt van de Flierdt. "Wir haben uns manches Mal richtig in die Wolle gekriegt, zum Beispiel wegen der Schlossbräu-Ruine. Aber wenn wir nach einem Streit auseinandergingen, hatten wir alles wieder bereinigt."

Der Stellvertreter des Bürgermeisters im Rathaus, Bernd Gather, nennt Reinhold Schulz als Vorbild: "Gewissenhaft, ehrgeizig, fleißig bis an die Leistungsgrenze, das war Reinhold Schulz. Und zwar jeden Tag aufs Neue. Ich erinnere mich daran, wie wichtig es ihm war, dass in Schwalmtal die großen Pfadfindertreffen veranstaltet werden konnten. Da hat er gesagt: Es muss doch eine Lösung geben. Und dann hat er dafür gesorgt, dass sich alle zusammenraufen und das durchziehen."

Der Bürgermeister als Schiedsrichter

Schulz sei der geborene Schiedsrichter gewesen, sagt Schwalmtals CDU-Vorsitzender Dr. Stefan Berger. "Er hat auch politisch immer versucht, einen Kompromiss zu finden, mit dem beide Seiten leben können." Das berichtet auch Jürgen Heinen, Fraktionsvorsitzender der Schwalmtaler Grünen: "Ich erinnere mich an ein Fußballturnier in Amern vor ein paar Jahren. Da traten die politischen Parteien gegeneinander an, und Schulz war der Schiedsrichter. Das war so eine symbolische Situation: Schulz hat immer versucht, über politische Grenzen hinweg zu vermitteln."

Peter Ottmann, Landrat des Kreises Viersen, empfand Schulz als "eine Bereicherung in der Runde der Bürgermeister. Er war immer gut aufgelegt, bei allem Stress, den wir manchmal hatten. Er war stets sehr realistisch und dachte immer im Sinne der kommunalen Familie."

Dieses Unaufgeregte, Bodenständige hebt auch Manfred Bott hervor — Vorsitzender der St.-Gertrudis-Bruderschaft Dilkrath. Als Schulz 2002 als König in Dilkrath aufzog, war Bott einer der Minister. "Reinhold Schulz hat der Bruderschaft seinen Stempel aufgedrückt," sagt Bott. Schulz, der 1969 in die Bruderschaft eintrat, Jägerhauptmann und später Geschäftsführer wurde, habe dafür gesorgt, dass das Schützenfest in Dilkrath nicht Jahr für Jahr aufwendiger werde, "sondern so, dass alles im Rahmen bleibt, dass jeder König werden kann", sagt Bott.

Wahlspruch des Kölner Erzbischofs übernommen

Sich für jeden einzusetzen und sich auf jeden einzulassen, das sei Schulz wichtig gewesen, sagt Hermann-Josef Güldenberg (CDU), der Schulz noch aus der Zeit kennt, in der Güldenberg Lehrer war und Schulz' Töchter zur Schule gingen. Als Bürgermeister habe Schulz es mit dem Wahlspruch des Kölner Erzbischofs Frings gehalten: "Pro hominibus constitutus — Für die Menschen bestellt". Güldenberg sagt: "Es gehörte zu seinem Selbstverständnis, für die Menschen bestellt zu sein, ein Gefühl, das aus dem Glauben heraus kam. Er war bescheiden in seiner Art und hatte die Wertschätzung der Menschen, die ihm begegnet sind."

(biro)