Viersen: Niersverband wird die Beiträge erhöhen

Viersen: Niersverband wird die Beiträge erhöhen

Der Klimawandel führt im Grenzland immer häufiger zu Starkregenereignisse. Der Niersverband muss darum investieren

In diesem Jahr ist der Niederrhein von einer Reihe von Unwettern getroffen worden. Im Bereich der Kervenheimer Fleuth im Kreis Kleve beispielsweise fielen im Juni mehr als 300 Millimeter Regen, das entspricht dem fünffachen Monatsniederschlag und ist ein neuer Rekord.

Der Niersverband, so teilte dessen Vorstand Professor Dietmar Schitthelm in der Verbandsversammlung in Viersen mit, hat mit einer Auswertung von Messdaten der vergangenen Jahrzehnte die Frage nach dem Klimawandel in der Region näher untersucht. Das Fazit: Die Folgen der globalen Erwärmung sind auch am Niederrhein nachweisbar. Denn in den vergangenen sechs Jahrzehnten ist die Temperatur hier um ein ganzes Prozent angestiegen. Die Summe aller Niederschläge hat sich zwar im Verbandsgebiet kaum verändert, deutlich aber ist ein Anstieg der lokalen Starkregenereignisse.

Nach Aussage von Professor Schitthelm reagiere der Niersverband bereits darauf: Mit dem Masterplan habe man ein Konzept entwickelt, mit dem die Folgen der häufigeren Hochwässer gemindert werden können. Durch naturnahe Umgestaltung der Gewässer soll nicht nur die Natur schöner gestaltet werden, sondern auch Rückhalteraum geschaffen werden. So kam in den vergangenen acht Jahren ca. 70.000 Kubikmeter Rückhalteraum an der Niers dazu, weitere 350.000 Kubikmeter sind in Planung. Fertiggestellt wurden auch 200.000 Kubikmeter Rückhalteraum im Hochwasserrückhaltebecken Geneicken in Mönchengladbach und weitere 35.000 Kubikmeter im Retentionsbodenfilter Dülkener Nette.

Neben den Maßnahmen gegen den Klimawandel zeichnen sich für den Wasserverband aber auch weitere Zukunftsaufgaben ab. Dazu gehören die Verringerung der Phosphorbelastung und das immer wichtiger werdende Thema der Arzneimittel-Spuren. Aufgrund der älter werdenden Bevölkerung gelangen Medikamentenrückstände wie beispielsweise des Schmerzmittels Diclofenac ins Gewässer.

Aber auch Stickstoff ist ein Riesenproblem: Bei erlaubten 2,8 Milligramm pro Liter werde in der Niers eine tatsächliche Konzentration von sechs bis sieben Milligramm pro Liter gemessen. Da gebe es noch großen zusätzlichen Handlungsbedarf. Auch das Nitratproblem bestehe weiterhin trotz aller dagegen bereits getroffenen Maßnahmen.

  • Tönisvorst : Niersverband lädt zum Krisengipfel

Der Niersverband steht auch darum in der Zukunft vor riesigen Investitionen: Allein in der großen Kläranlage Mönchengladbach-Neuwerk werden bis 2035 insgesamt 184 Millionen Euro investiert. Das gab Ulrich Otto, Abteilungsleiter Abwasser, in seinem Baubericht bekannt. Ein kompletter Neubau der mechanischen Reinigung, ein Neubau der Biologie und der Nachklärbecken sowie der Phosphor- und Spurenstoff-Elimination stehen an, weitere Kosten werden für die Schlammbehandlung entstehen.

Durch seine sehr gute Abwasserreinigung spart sich der Niersverband in diesem Jahr zwar rund eine Million Euro, dennoch werden die Abwassergebühren wohl um etwa zwei Prozent ansteigen. Zudem muss der Verband jährlich mehr als 30 Millionen Euro Reinvestitionen für seine Anlagen bereitstellen. Diese Kosten bei gleichzeitig immer strenger werdenden gesetzlichen Anforderungen lassen nun auch die bisher moderaten Beiträge steigen: im Jahre 2017 zwar nur um 1,91 Prozent, in den nächsten Jahren aber wahrscheinlich um bis zu fünf Prozent. Der Beitragssatz des Niersverbandes liege damit aber immer noch unter dem Satz von 1998.

Darum gab es bei der Abstimmung zum Wirtschaftsplan 2017 mit einem Gesamtvolumen von 160 Millionen Euro auch kritische Stimmen aus der Verbandsversammlung. Maik Giesen betonte, die Mitglieder aus Tönisvorst wollten zwar nicht dagegen stimmen, sie könnten dem Verband aber "keinen Blankoscheck ausstellen". Man werde sich enthalten. Insgesamt gab es fünf Enthaltungen bei der Abstimmung zum Wirtschaftsplan.

Aber auch beim Personalkonzept wurden kritische Fragen gestellt: Der Niersverband setzt auf "Insourcing". Das heißt: Maßnahmen werden grundsätzlich mit eigenem Personal eingesetzt. Damit habe man einen kostensparenden Weg eingeschlagen, der fortgesetzt werden soll. Es seit etwa 20 Prozent günstiger als eine Fremdvergabe. Martina Stall aus Willich stellte das nicht infrage, sie machte aber kritische Anmerkungen zu den 24 zusätzlich notwendig werdenden Stellen.

(RP)
Mehr von RP ONLINE