Viersen: Der erste Tag in der Container-Schule

Viersen: Der erste Tag in der Container-Schule

Seit gestern haben 700 Schüler einen neuen Lernort. Während die Anne-Frank-Gesamtschule an der Lindenstraße renoviert wird, büffeln sie in Containern. Wie das die Schüler finden — und wie ein Krokodil den Umzug verkomplizierte

Die erste Bewährungsprobe hat der neue Lernort der Anne-Frank-Gesamtschüler gestern schon bestanden. Die Vor-Abi-Klausuren wurden geschrieben, in Schulräumen in Containern. Kerstin aus der Jahrgangsstufe 13 lobt die neuen Klassenzimmer: "Die Räume hier im Container sind besser als in unserem eigentlichen Schulgebäude", sagt sie und erntet ein zustimmendes Nicken ihrer Klassenkameradinnen. Und auch die stellvertretende Schulleiterin Angela Lenz ist froh: "Wir haben jetzt Jalousien und Rollläden - was für ein Luxus!"

Im Container-Klassenzimmer wurden gestern schon Vor-Abi-Klausuren geschrieben. Foto: Röse Martin

Das eigentliche Schulgebäude an der Lindenstraße ist sanierungsbedürftig. Bei Vorarbeiten zur geplanten energetischen Sanierung des Gebäudes kam vor einem halben Jahr raus: Die mehr als 200 Stützen und Riegel des Betontragwerks der Fassade sind so stark verwittert, dass im gesamten Schulgebäude eine Betonsanierung nötig ist. Zusätzlich stellte sich heraus, dass die tragenden Stahlstützen im Gebäude nicht gegen Feuer geschützt sind. Ein akuter Brandschutzmangel. Und wegen Lärm und Staub nicht während des laufenden Betriebs zu beheben. In einer Sondersitzung beschloss der Schulausschuss die Herrichtung der ehemaligen Albert-Schweitzer-Schule als Ausweichquartier; ergänzt um rund 120 Container.

Per Gefahrguttransport an den Standort gelangt: Plastikeimer mit Materialien für den Chemie-Unterricht. Foto: Röse Martin

An diesem Montagmorgen steht noch ein Overhead-Projektor draußen vor dem Schulgebäude, leere Umzugskartons stapeln sich im Flur, die Cafeteria bleibt kalt. Aber das sind die Kleinigkeiten. Alle größeren Probleme sind geklärt - darunter auch durchaus skurrile: Wohin zum Beispiel mit einem zwei Meter langen ausgestopften Krokodil, das nicht ins Ausweichquartier passt? "Ich habe beim Museum Koenig in Bonn angerufen und gefragt, ob die Interesse haben", berichtet Angela Lenz. Schülerinnen fertigten Fotos aller Exponate an ("Wir haben auch ein Känguru"), das Museum signalisierte Interesse, holt die Sammlung nach Karneval ab. "Zum Glück. Denn ansonsten wäre die Entsorgung teuer geworden", berichtet Lenz. "Ausgestopfte Tiere zählen als Sondermüll."

"Ein Raumplan an jeder Eingangstür weist allen Schülern die neuen Wege", erklärt Lehrerin Angela Lenz. Foto: Röse Martin
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Für den Transport der Schüler - die NEW hat eine neue Schulbuslinie ab dem Viersener Busbahnhof eingerichtet - musste der Stundenplan angepasst werden. "Die Wege sind länger, deshalb haben wir die Pausen um fünf Minuten verlängert", berichtet Lenz. Die Schulaufsicht genehmigte, dass im Gegenzug die beiden letzten Stunden am Nachmittag um jeweils fünf Minuten verkürzt werden.

Das zausgestopfte Krokodil passt nicht ins Übergangsquartier. Es kommt ins Museum. Foto: Schule

In blauen Plastiktonnen lagerten gestern noch die Stoffe für den Chemie-Unterricht - sie durften nur mit besonderer Kennzeichnung als Gefahrguttransport von der Lindenstraße an den Pestalozziweg umziehen. Computerräume wie am Standort Lindenstraße können in den Übergangsräumlichkeiten nicht eingerichtet werden. "Wir haben aber eine Lösung mithilfe von Laptops gefunden", berichtet die stellvertretende Schulleiterin.

Noch hängt an jeder Eingangstür ein Raumplan, steht auf Zetteln neben jeder Tür, was dort unterrichtet wird. Ein Schüler kommt vorbei: "Wo ist denn das Schwarze Brett?" Das hängt schon, zwei Ecken weiter. Und bis die Cafeteria funktioniert, soll ein Food-Truck die Schüler mit Essen versorgen.

(mrö)
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