Solingen: Kritik an Haug nach Besuch bei Kissel

Solingen: Kritik an Haug nach Besuch bei Kissel

Fast wäre es gewesen wie meist bei solchen Anlässen. Jemand, der laut Staatsschutz "rechten Kreisen nahesteht", feiert Geburtstag, und das nutzen einige linke Demonstranten, um gegen rechtes Gedankengut zu protestieren.

So gesehen musste also der Auflauf am Samstag-Vormittag vor dem Langenfelder "Romantik Hotel Gravenberg" nicht weiter verwundern. Günther Kissel, bekannter Solinger Bauunternehmer, hatte zu seinem 90. Geburtstag eingeladen, und etwa 30 Demonstranten nahmen dies zum Anlass, auf Kissels rechtes Weltbild aufmerksam zu machen.

Doch etwas war diesmal anders. Denn auch ein großer Teil der Solinger Politprominenz erwies Günther Kissel an diesem Tag die Ehre. So stand zum Beispiel auch Oberbürgermeister Franz Haug (CDU) auf der Gästeliste. Gestern, beim Neujahrsempfang der Bezirksvertretung Gräfrath, erläuterte das Stadtoberhaupt noch einmal die Beweggründe für sein persönliches Erscheinen. "In dieser Stadt" gebe es, so Haug, nun "eben Bürger mit unterschiedlichen Auffassungen". Und es sei ein "Geschenk der Demokratie", dass jeder seine Meinung sagen könne, "auch wenn sie noch so abwegig ist".

Das ist unter den meisten Solingern sicher unstrittig. Allerdings gehen die Meinungen weit auseinander, wenn es um den Umgang mit rechtem Gedankengut geht. Für Frank Knoche, Ratsmitglied der grün-offenen Fraktion, bedeutet das Erscheinen Haugs "einen späten Triumph" für Kissel.

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Und auch die Solinger Bürger Petra und Kurt Junker sind überzeugt, der OB habe mit seinem Besuch in Langenfeld "unserer Stadt und damit uns Bürgern" geschadet: "Zu einer Firmenfeier ja, zu einer persönlichen Geburtstagsfeier nein. Etwas anderes kann doch wohl ein demokratisch gewählter Solinger Oberbürgermeister nicht machen", teilen sie unserer Redaktion mit.

Es geht wohl genau um die Frage, ob es sich bei der Veranstaltung Kissels um eine Firmenfeier oder doch eher um eine private Geburtstagsfeier gehandelt hat. Wäre eine Visite bei einem wichtigen Unternehmen der Stadt durchaus nachvollziehbar, so erscheint ein Besuch bei einer privaten Party Kissels unangebracht.

Und um eben eine solche Veranstaltung handelte es sich am Samstag morgen in Langenfeld augenscheinlich. Nirgendwo außen war zum Beispiel das Logo von Kissels Firma zu sehen. Stattdessen verwehrten Mitglieder eines Wachdienstes den allermeisten Pressevertretern den Zugang zum "Romantik Hotel".

(RP)
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