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Solingen: Kleine Baumhirten heimatlos

Solingen : Kleine Baumhirten heimatlos

Der gestoppte Baubauungsplan für den Freizeitpark Aufderhöhe trifft auch den Waldkindergarten. Der muss aus seinem bisherigen Quartier eigentlich schon längst ausgezogen sein. Die Kinder sind verunsichert.

Die Stimmung ist schlecht bei dem Kleinen Baumhirten. Während Erzieher und Eltern genau wissen, warum sie mit ihrem Waldkindergarten vorerst nicht auf das Freizeitgelände in ehemaligen Aufderhöher Freibad ziehen können, sind die Kinder einfach nur verunsichert, sagt Melanie Lubetz, die Vorstandsvorsitzende des Waldkindergartens.

Eigentlich sollte der Umzug auf das Freizeitgelände bereits zum 1. August erfolgen, doch das schwebende Gerichtsverfahren und die jetzt erfolgte Entscheidung aus Münster haben das verhindert. "Wir haben Glück, dass das Landesjugendamt großzügig ist und uns am Alternativstandort am Goldberger Weg weiterarbeiten lässt, sagt Melanie Lubetz, denn eigentlich ist die Betriebserlaubnis dort ausgelaufen.

"Die Lage ist demotivierend"

Der jetzige Standort des Waldkindergartens war ohnehin nur eine Notlösung, denn die Kinder müssen, um in den Wald zu kommen, eine Straße überqueren und anschließend an einer Straße ohne Bürgersteig laufen. Bis die Kinder im Wald sind, dauert es jetzt bis zu 20 Minuten, vor allem, wenn die ganz Kleinen mit in der Gruppe laufen.

"Es ist traurig, dass die Kinder jetzt noch länger über die Straße laufen müssen, um in den Wald zu kommen, sagt auch Joachim Bear von der Höher Heide, der wie alle anderen Anwohner am geplanten Freizeitpark kein Verständnis dafür hat, dass ein einziger Beschwerdeführer das gesamte Projekt Freizeitpark und Waldkindergarten stoppen kann. Das Oberverwaltungsgericht in Münster hat in seiner 28-seitigen Urteilsbegründung von "zu erwartenden Lärmimmissionen durch den Betrieb des Waldkindergartens" gesprochen.

Eltern und Erzieher haben dafür kein Verständnis. Sie haben bereits viel Freizeit und Geld investiert, um den Betrieb auf dem Freizeitgelände vorzubereiten. Der Waldkindergarten ist anerkannt als Träger der freien Jugendhilfe. Es ist geplant, für den Waldkindergarten zwei Schutzhütten im Bereich des ehemaligen Freibades Aufderhöhe aufzustellen. Ansonsten halten sich die Kinder nur im Freien auf.

"Die Lage ist für das ganze Team demotivierend, wir sitzen ja quasi schon auf gepackten Koffern", sagt die Vorstandsvorsitzende des Waldkindergartens. "Zum Beispiel wollten wir auf dem Gelände des Freizeitparks einen Garten anlegen, das lohnte sich ja an unserem bisherigen Standort nicht mehr", berichtet Melanie Lubetz.

Auch gegen die Errichtung der beiden Schutzhütten für die Kleinen Baumhirten wurde inzwischen beim Verwaltungsgericht in Düsseldorf Klage eingereicht. Der Verein geht nicht davon aus, dass es in diesem Jahr noch zu einer Entscheidung kommen wird. Gerade im bevorstehenden Winter sind die Kinder auf Schutzhütten angewiesen. "Wir wissen nicht, wo wir stehen und wie wir planen sollen beziehungsweise können, und das in Zeiten, in denen Kindergartenplätze rar sind", schildert die Vorsitzende die Problematik.

(RP/rl)