Solingen: Feuerwehr-Gewerkschaft wählt Vorstand

Solingen: Feuerwehr-Gewerkschaft wählt Vorstand

Für Ingo Schäfer ist es "fünf vor zwölf": In den vergangenen 20 Jahren, sagt der Hauptbrandmeister, hätten sich die Arbeitsbedingungen der Feuerwehrleute drastisch verschlechtert.

Erste Mitgliederversammlung

Und so ist die Liste jener Dinge, die der Solinger als Bundesvorsitzender der neu gegründeten Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft (DFeuG) anpacken will, die gestern ihre erste Mitgliederversammlung abhielt, lang: Es geht ihm um Beförderungsstopps bei der Feuerwehr, um einen Lohnverlust von 15 Prozent in den vergangenen 20 Jahren, um Pensionsansprüche von unter 60 Prozent, um die Kürzung der Witwenversorgung und um Zulagen, die in die Pension nicht eingerechnet werden. Kurzum: "Es geht darum, Einfluss zu nehmen und berufsspezifische Probleme anzugehen." Unterstützt wird Schäfer dabei von Micha Quäker und Jürgen Ihl als Stellvertreter, die bereits bei der Gründung der Gewerkschaft am 1. Mai gewählt wurden.

Bei der gestrigen ersten Mitgliederversammlung im CBF-Vereinsheim wurden außerdem Thorsten Wiedelmann (Schatzmeister), Daniel Korschgen (Schriftführer), Günther Friedrich und Tim Eichhorn (Kassenprüfer) in den Vorstand gewählt. Ihr Ziel sei, die rund 100 000 hauptamtlichen Feuerwehrleute zu unterstützen, ohne "Krawall" zu machen: "Wir wollen keine englischen Verhältnisse, wo das Militär ausrücken musste, weil die Feuerwehr nicht gelöscht hat."

Dennoch sind sie entschlossen, ihren Forderungen den erforderlichen Nachdruck zu verleihen –– auch wenn verbeamtete Feuerwehrleute nicht streiken dürfen. "Es stellt sich die Frage, inwieweit unter diesen Bedingungen beispielsweise noch Bereitschaft zur freiwilligen Mehrarbeit besteht", so Schäfer. Anders ist die Lage bei den Werksfeuerwehren, die durchaus in Streik gehen könnten. "Die Gefahr besteht, dass in privaten Unternehmen dann nicht gearbeitet werden kann." Eine Streikkasse hat die DFeuG bereits angelegt.

Bereits unmittelbar nach der Gründung hatte es Kritik an der Gewerkschaft gegeben: Sie schwäche die Interessenvertretung der Beschäftigten im öffentlichen Dienst, hieß es von Komba-Chef Jürgen Albermann. "Wenn man das objektiv betrachtet", sagt Ingo Schäfer, der selbst 20 Jahre bei Komba war, "bedeutet es nur, dass unser Mitglieder-Zuwachs Mitglieder-Schwund für Komba bedeutet." Derzeit hat die DFeuG 872 Mitglieder aus ganz Deutschland.

(RP)
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