Innenstadt: Clemens-Galerien gehen ins dritte Leerstand-Jahr

Innenstadt: Clemens-Galerien gehen ins dritte Leerstand-Jahr

Die Kritik am städtischen Hauptstraßen-Konzept wächst. Dafür stehen die Zeichen auf einem Kaufhof-Verbleib - wohl zu schlechteren Konditionen.

Es bleibt dabei. Die Versuche, in die großteils leeren Clemens-Galerien am oberen Ende der Solinger Hauptstraße wieder Leben zu bringen, gestalten sich weiterhin schwierig. Denn nachdem das Einkaufscenter am Mühlenplatz im Januar 2017 vom neuen Investor Jochen Stahl sowie dessen Immobilien Solingen Projektgesellschaft übernommen worden war, gelang es bis zum heutigen Tag nicht, eine ausreichende Zahl von Mietern zu gewinnen.

Die Bemühnungen um eine Revitalisierung der Mall seien "mit viel Zeitaufwand" verbunden, sagte Stahl gestern auf Anfrage unserer Redaktion. Schon mehrmals hatte der Geschäftsmann aus der Nähe von Frankfurt/Main Termine für die Bekanntgabe neuer Geschäfte in den Galerien verstreichen lassen müssen, so dass Stahl mit seinen Prognosen inzwischen entschieden vorsichtiger ist. Ziel sei es aber nach wie vor, im vierten Quartal 2018 auf einen "Vermietungs- und Ausbaustand von circa 80 bis 90 Prozent" zu gelangen, betonte der Investor am Freitag.

Im Klartext bedeutet dies, dass die Clemens-Galerien in das dritte Jahr des Leerstands gehen, der indes nicht von Stahl, sondern vom früheren Besitzer der Mall zu verantworten ist. Der hatte nämlich vorgehabt, ein innerstädtisches Outlet-Center zu errichten und den meisten vormaligen Mietern die Kündigung geschickt - ehe die Träume von "My Urban Outlet" am Ende sprichwörtlich wie Seifenblasen platzten.

Was wiederum nicht allein Auswirkungen auf die Galerien selbst, sondern überdies auf ihr Umfeld hat. So ziehen die einzelhandelstechnisch verödeten Passagen im Center kaum Passanten an, die dementsprechend auch in den Geschäften in der Nachbarschaft fehlen. Etwa im Kaufhof, dessen Gebäude ebenfalls zu den Stahl-Immobilien in der City gehört und dessen Solinger Mietvertrag Ende dieses Jahres ausläuft.

Zwar zeigte sich Jochen Stahl gestern optimistisch, mit dem Warenhaus-Konzern in den nächsten Monaten zu einer Verlängerung zu kommen. Allerdings gehen Brancheninsider davon aus, dass Kaufhof den bisherigen Mietpreis noch einmal merklich drücken wird. In diesem Zusammenhang war die Rede von einem sechsstelligen Euro-Betrag, den die Manager einzusparen versuchen könnten - wobei damit nach allgemeiner Einschätzung ein dauerhafter Verbleib von Galeria Kaufhof in der Innenstadt indes immer noch nicht gesichert wäre.

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"Die ganze Fußgängerzone in der Solinger Innenstadt ist doch aus der Zeit gefallen", klagte in den zurückliegenden Tagen beispielsweise ein Besitzer der wenigen verbliebenen inhabergeführten Geschäfte im Bereich der Hauptstraße. So sei schon seit Jahren klar, dass es so wie früher nicht mehr laufen könne, ohne dass die Stadt rechtzeitig neue Nutzungskonzepte beziehungsweise eine Gesamtstrategie für die City vorgelegt habe.

Tatsächlich hatten die Stadtplaner im Rathaus erst im vergangenen Jahr versucht, das Ruder herumzureißen. Zukünftig soll zumindest die untere Hauptstraße nicht mehr vornehmlich dem Einkaufen vorbehalten bleiben. Vielmehr schwebt den zuständigen Stellen in der Stadtverwaltung eine Mischnutzung mit Wohnungen, Dienstleistungen sowie Gastronomie vor. Nur hilft dies - abgesehen davon, dass die privaten Immobilienbesitzer mitspielen müssten - der oberen Fußgängerzone und den Galerien augenblicklich lediglich bedingt.

Wohl unterstrich Investor Stahl jetzt ein weiteres Mal auf die Verhandlungen mit potenziellen Mietern für das Center angesprochen, man komme voran. Allerdings zerschlugen sich bereits im Herbst Pläne, neben der im Sommer eröffneten Filiale von Black.de mit Tedi und Kik zwei zusätzliche Billiganbieter in die Mall zu locken. Der Hintergrund: Die Mutter Tedi hat sich entschieden, die Tochter Black wieder vom deutschen Markt zu nehmen - was zur Folge hat, dass Tedi keine weiteren Flächen mehr in den Galerien benötigt.

Derweil befinde man sich mit Kik in den Endzügen der Mietverhandlungen, unterstrich Jochen Stahl nun zum wiederholten Mal. Und Ziel sei es darüber hinaus, noch andere Mieter zu binden. Gleichwohl sei dies allein schon wegen des baulichen Zuschnitts im Inneren des Centers nicht leicht, so Stahl. Überlegungen, die Immobilie wieder abzustoßen, gebe es nach dem "derzeitigen Arbeitsstand" dennoch nicht.

(or)