Remscheid: Sitzend durchs Werkzeugmuseum rollen

Remscheid : Sitzend durchs Werkzeugmuseum rollen

Das Deutsche Werkzeugmuseum bietet mit einem rollenden Stuhl gehbehinderten Besuchern einen neuen Service an. Die Vorbereitungen für den Bauantrag sind in den letzten Zügen. Im Sommer soll es im Haus Cleff losgehen.

Führungen bei Dr. Andreas Wallbrecht, Leiter des Deutschen Werkzeugmuseums, können schon mal so lange wie ein Tatort-Krimi dauern. 90 Minuten stehen, zuhören und wieder ein paar Schritte gehen - das ist für manche Besucher ziemlich anstrengend. Vor allem für jene, die sowieso nicht mehr ganz gut zu Fuß sind. Die Mehrheit der Menschen, die Museen besuchen, gehört der älteren Generation an. Ein Museumsbesuch darf aber nicht zu einer körperlichen Tortur werden, dachte sich Museumsleiter Wallbrecht. Mit Christian Graf, Vertreter der Wermelskirchener Firma provita, fand er einen Partner, der ihm nun einen fahrbaren Stuhl für Besucher lieferte. "Damit wollen wir unseren Service weiter verbessern", sagte Wallbrecht.

"Sam" heißt der Stuhl. Der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von "sit and move" zusammen. Auf lautlosen Gummiräder lässt sich der Gast durch die Räume schieben. Eine rote Sicherheitsbremse erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine unfallfreie Fahrt durch das Haus. Mit dem fahrbaren Stuhl erreicht der Besucher jeden Winkel des Museums. Im Erdgeschoss muss er nur drei Stufen umkurven. Ansonsten hat er freie Fahrt. Ins Obergeschoss führt ein Aufzug. Das Deutsche Werkzeugmuseum zeigt sich als vorbildliche Einrichtung für Menschen mit Behinderung.

Mit Einschränkungen gilt dies ebenfalls für das Haus Cleff nebenan. Die Umbaupläne sehen vor, dass ein Aufzug die Besucher nur bis ins erste Obergeschoss führt. Weiter hoch werden die Türen so eng, dass ein Rollstuhl sie nicht passieren könnte.

Wallbrecht und die Mitarbeiter der Agentur Szenario aus Hildesheim arbeiten zurzeit eng mit der Unteren Denkmalschutzbehörde zusammen. Es geht um die Feinabstimmungen der Entwurfsfassung. Sie bildet die Grundlage für einen Bauantrag. Dieser legt akribisch fest, von der Steckdose bis zur neuen Wand, wie das künftige Haus Cleff aussehen soll. Diese Abstimmungen sind für Wallbrecht entscheidend. Jede Veränderung oder Einschränkung verändert die Kostenplanung. Der Museumsdirektor hat zugesagt, erst wenn er alle Ausgabepositionen geprüft und zusammengerechnet hat, will er die Bausumme nennen. Eine Summe, die realistisch sei und darum nicht überschritten werde. Die zugesagten 500.000 Euro vom Bund liegen noch nicht auf dem Konto der Stadt. Sie dürfen erst abgerufen werden, wenn der Bauantrag genehmigt ist. Wallbrecht geht davon aus, dass im Sommer die Bauarbeiten beginnen können. Zuvor hat das Konzept die politischen Gremien passiert.

So lange muss Wallbrecht mit dem Einwerben von Fördermittel warten. Er kann nur mit ganz konkreten Pläne und Konzepten die Geldgeber überzeugen, für das neue Historische Zentrum zu spenden. Ohne Geld von Dritten kann die Stadt diesen Umbau nicht finanzieren. Wallbrecht gibt sich zuversichtlich, bei den Fördertöpfen der EU, der Stiftung NRW, den Sparkassen und bei vielen anderen nicht leer auszugehen. Auch von der einen oder anderen Werkzeug-Firma hofft der Museumsdirektor auf finanzielle Großzügigkeit.

(RP)
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