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Remscheid: Messerstich am Allee-Center – Opfer sitzt im Rollstuhl

Attacke in Remscheid : Messerstich am Allee-Center – Opfer sitzt im Rollstuhl

Mit Pöbeleien unter Alkohol zwischen zwei Gruppen von Halbwüchsigen auf der Kirmes in Remscheid am 21. September 2021 ging es los. Die Security verwies die Beteiligten im Alter von 14 bis 23 Jahren umgehend vom Gelände. Im Bus trafen sie sich wieder.

Videos aus dem Bus zeigen sich steigernde Handgreiflichkeiten, ein Messer scheint offen gezeigt worden zu sein, nach dem Aussteigen vor dem Allee-Center wurde es blutig. Ohrfeige hin, Ohrfeige her, dann ein Messerstich gegen den Ältesten durch die Schläfe tief ins Gehirn. Mit viel Glück überlebte das Opfer, sitzt aber heute noch mit Lähmungen als Invalide im Rollstuhl. Mehrere Kopfoperationen sind noch notwendig, die Sprache ist teilweise wiederhergestellt. Erstaunlich ist die Erinnerung an den Vorfall selbst, die er vor Gericht aussagte.

Die Schuldanteile der Beteiligten am Mord- oder Totschlagversuch müssen derzeit ausgelotet werden. Schwierig auch deshalb, weil nur einer der Angeklagten als Heranwachsender nach Erwachsenenstrafrecht, die beiden anderen Jüngeren nach dem Jugendstrafrecht behandelt werden. Vorwürfe gegen die Opfergruppe, den Schwerverletzten und seinen Freund, dass „diese angefangen hätten“, scheinen vom Tisch zu sein – angebliche Verletzungen des Hauptbeschuldigten scheinen nicht existent zu sein, wie ein Polizeibeamter aussagte.

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Die Reaktionen der drei hier Beschuldigten bei den Vernehmungen durch die Polizei (gegen ein mitangeklagtes Mädchen wurde das Verfahren abgetrennt) könnten für das Gericht ein Wegweiser sein. Während die beiden Jüngeren sich bereits nach der Tat als kooperativ erwiesen, gärte es später innerhalb der Gruppe. Bemerkenswert ein Belastungsbrief, der vom Hauptbeschuldigten einem Justizbeamten zur Weiterleitung an den Richter übergeben wurde. Angeblich stamme er von einem anderen aus der Gruppe – ein Schriftvergleich zeigte aber nicht dessen Handschrift.

Die Pflegemutter des ältesten Angeklagten zeigte den nicht ganz einfachen Lebensweg auf. Abgelehnt von der leiblichen Mutter, später bedrängt. Trotz ADHS noch halbwegs erfolgreich in der Schule, dann durch Coronabeginn erzwungene Reduzierung auf die falsche Gruppe mit Alkohol, Kiffen und Aggression. Vorschnelle moralische Verurteilungen sind nicht angebracht.