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Remscheid: Kämpfer für die Bibliothek im Stadtteil

Remscheid : Kämpfer für die Bibliothek im Stadtteil

Seit mittlerweile zehn Jahren sichern die "Lütteraten" den Fortbestand der Stadtteilbücherei in Lüttringhausen.

Der Vertrag wurde 2009 auf einem schmucklosen Blatt Papier per Unterschrift besiegelt. Vor zehn Jahren verpflichteten sich die "Freunde und Förderer der Stadtteilbibliothek Lüttringhausen", die städtische Bücherei im Dorf zu unterstützen. So konnte die Bibliothek, die aus Spargründen auf der Streichliste der Stadt stand, erhalten werden.

6000 Euro zahlen die "Lütteraten" seitdem jährlich an die Stadt. Geld, das über die Beiträge der 140 Mitglieder sowie über Spenden zusammengebracht wird, berichtet der Vorsitzende Hans-Ulrich Hochfeld. Ein Beispiel: Lüttringhausener Firmen stellen bei Feiern eine Spendenbox für die Bücherfreunde auf. Eine feste Größe ist auch die Spende des Lions Clubs. Als Gegenleistung helfen die "Lütteraten" jedes Jahr bei deren Bücherbasar im Allee-Center, berichtet Ruth Feldsieper, die zu den 35 aktiven "Lütteraten" gehört.

Ein Kraftakt (und finanzieller Gegenwert) ist die tägliche Arbeit in der Bücherei. Die "Lütteraten" haben sich verpflichtet, an allen 30 Öffnungsstunden in der Woche der einzigen hauptamtlichen Kraft der Stadt einen Helfer zur Seite zu stellen. Das hat über zehn Jahre funktioniert. Wenn, wie in dieser Woche geschehen, die Bibliothek schließen muss, dann liegt es daran, dass die Stadt kein Personal hat.

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Fest überzeugt von der Bedeutung des Buches und anderer Medien für das Erkennen und Verstehen der Welt, denken die "Lütteraten" über den Tag hinaus, wollen mitreden über die Zukunft der Stadtteilbücherei. Barrierefrei soll sie werden, mehr Platz bieten für Lerngruppen, mit einem Kaffeeautomaten und bequemen Sitzmöbeln einladen zum längeren Verweilen. Dinge, die am Standort in der Gertenbachstraße nicht möglich sind. Dass die Stadt unlängst "über unseren Kopf hinweg" den Mietvertrag in der Lenneper Altstadt verlängert hat, hat den Verein verstimmt, berichtet Wolfgang Luge. Wenn der Kämmerer und neue Kulturdezernent Sven Wiertz (SPD) in der kommenden Woche ins "Dorf" kommt, um den "Lütteraten" zum Jubiläum zu gratulieren, wollen die Büchereifreunde mit ihm über ihre Ideen für eine moderne, zeitgemäße Bücherei sprechen.

Die Idee: Im Neubaugebiet am Eisernstein könnte die Bibliothek im Erdgeschoss auch mit Rollstuhl und Kinderwagen zu erreichende Räume beziehen. Vorbild für die "Lütteraten" sind die lichtdurchfluteten, großzügigen Räume der Bibliothek in Lennep.

Dafür wollen die "Lütteraten" auch im politischen Raum werben, kündigt Luge an. Das Zeitfenster für die Entscheidung über den zukünftigen Standort fällt in den Kommunalwahlkampf. Man werde so laut für die Lüttringhausener Stadtteilbibliothek trommeln, dass es bis in den Ratssaal zu hören sein werde, sagt der pensionierte Lehrer. Gedanken, wie man eine möglicherweise dann benötigte größere Spendensumme stemmen könnte, gibt es schon. Aber man will Verwaltung und Politik auch nicht aus der Pflicht entlasten, sich zu erklären, was ihnen der Weiterbestand der Bücherei in Lüttringhausen wert ist.