So fährt es sich mit 1,6 Promille: Fahrsimulator-Test in Neuss

Alkohol-Simulator in Neuss : So fährt es sich mit 1,6 Promille

Am BBZ Weingartstraße konnten sich Fahranfänger jetzt in die Lage versetzen, wie es ist, stark alkoholisiert Auto zu fahren. Unser Autor hat den Test am Fahr-Simulator gemacht – und zieht eine erschreckende Bilanz.

Zwei schwere Unfälle verursacht, zwei rote Ampeln missachtet, drei Verkehrsteilnehmer gefährdet, zweimal die Fahrbahn verlassen und einmal den Straßenrand überfahren. Nein, auf das Ergebnis kann ich wahrlich nicht stolz sein. Doch ich habe Glück. Denn diese unrühmlichen Ereignisse fanden allesamt digital statt. Am Montag und Dienstag konnten Fahranfänger am Berufsbildungszentrum Weingartstraße testen, wie es sich anfühlt, unter Alkoholeinfluss Auto zu fahren. Dazu wurde auf dem Schulhof ein zu einem Fahrsimulator umgerüsteter Pkw aufgestellt.

„Die Fahrt dauert ungefähr dreieinhalb Minuten“, sagt Lambert Grothe vom Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr (BADS), der mit seiner Kollegin Maren Ockenga den Simulator betreute und die nötigen Instruktionen gab. „Sie müssen nur Gas geben, lenken und bremsen“, erklärt mir der Polizist das Automatik-Getriebe. Zudem warnt er mich vor: „Die erste Minute fährt man mit klarer Sicht, dann kommt die Alkoholfahrt.“

In der ersten Minute fährt man noch mit klarer Sicht. Foto: Simon Janßen

Zur Auswahl stehen mehrere Alkohol-Stufen. Ich entscheide mich für den Höchstwert von 1,6 Promille im Stadtverkehr. Wenn schon, denn schon.

Doch plötzlich wird das Sichtfeld erheblich eingeschränkt. Foto: Simon Janßen

Die ersten 60 Sekunden sind tatsächlich recht angenehm. Kindheitserinnerungen an alte Computer-Rennspiele kommen auf. Doch noch bevor sich die nostalgischen Gefühle vermehren können, wird mein Sichtfeld eingeschränkt durch eine Art Nebelwand. Die Lenkung schwimmt, sodass ich Schlangenlinien fahre. Zudem dauert jeder Bremsvorgang erheblich länger. Es ist nahezu unmöglich, die Kontrolle zu behalten. Bereits nach wenigen Sekunden knallt es, weil ich eine Kurve schneide und seitlich in ein entgegenkommendes Auto krache. Einem Kind, das auf die Straße läuft, um einen Ball zu fangen, kann ich gerade noch ausweichen.

Betreuten den Simulator: Lambert Grothe und Maren Ockenga. Foto: Simon Janßen

Beim nächsten Unfall krache ich in die Leitplanke. Über die roten Ampeln fahre ich nur, weil ich mich zu sehr darauf konzentriere, keine Schlangenlinien zu fahren. Sogar meine Reaktionsgeschwindigkeit nennt mir das Gerät am Ende meiner Horror-Fahrt: 2,21 Sekunden.

Michael Stumkat, Verkehrserziehungsbeauftragter des BBZ, erklärt die Hintergründe: „Wir machen gemeinsam mit der Polizei einen Verkehrserziehungstag. Die Fahrt mit dem Alkohol-Simulator ist Teil des Programms für junge Fahrer“, so der 47-Jährige. „Bei vielen Schülern tritt nach der Fahrt eine Art Aha-Effekt ein“, sagt Maren Ockenga. Die meisten würden die Wirkung von Alkohol auf das eigene Fahrverhalten unterschätzen.

Zwar hat die Tour für die Zuschauer rund um das Auto auch einen hohen Entertainment-Faktor, für die Fahrer werde aus Spaß jedoch schnell Ernst. „Es kommt vor, dass manche Menschen die Fahrt abbrechen, nachdem sie virtuell ein Kind überfahren haben“, sagt Lambert Grothe, der für die Realitätsnähe sogar mit vollem Körpereinsatz dabei ist – und bei Unfällen am Auto wackelt.

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