Neuss: Als Heilige noch Helfer waren

Neue Ausstellung in Neuss: Als Heilige noch Helfer waren

Das Feld-Haus, das Museum für Populäre Druckgrafik auf der Raketenstation, zeigt in seiner neuen Ausstellung kleine, aber sehr feine Arbeiten. Heilgenbilder aus der Sammlung Hernandez, die das Profil des Hauses wunderbar ergänzen.

Die kleine Nachbarstochter war es, die aus dem gerade aus Spanien nach Düsseldorf übergesiedelten Franziskus Ces Hernandez einen Sammler machte. "Sie hatte aus einem Urlaub Heilgenbildchen mitgebracht", erzählt der heute 76-Jährige, "sie waren so schön, so viele Farben auf einem kleinen Stück Papier, dass ich sie lieber nahm, bevor sie sie wegwerfen konnte." Mehr al 40 Jahre ist das jetzt her, "und danach wurde es immer schlimmer", sagt Hernandez lachend, denn er begann immer mehr, nach Heiligenbildern zu schauen. Ab Anfang der 1980er Jahre erwuchs daraus eine Sammlung, die heute rund 5000 Exemplare umfasst.

Doch was macht man man mit einer solchen Sammlung, wenn keine Nachkommen da sind? Hernandez hat sie dem Clemens-Sels-Museum als Schenkung angeboten. Schon lange kennt er das Haus am Obertor, hatte Irmgard Feldhaus noch erlebt und freut sich nun wie ein kleines Kind, dass seine Sammlung in "ihrem" Haus auf der Raketenstation untergebracht worden ist und zudem erstmals auch in einer Ausstellung präsentiert wird. Natürlich nicht mit allen Exemplaren, aber rund 100 hat Kurator (und stellvertretender Museumsdirektor) Ulf Sölter für die Schau mit dem aussagekräftigen Titel "Himmel, hilf!" ausgesucht und zu Tableaus zusammengefasst, die etwa mehrere Bilder zu einem Heiligen oder zu einem Thema zeigen. "Ein wahnsinnig umfangreiches Konvolut", wie Museumschefin Uta Husmeier-Schirlitz sagt, hat er dafür durchgearbeitet: "Die Auswahl fiel mir nicht leicht", sagt er, "aber sie war zwingend notwendig." Jeweils neun Felder hat jedes Tableau, alle gleich angeordnet, entweder mit Text oder Bild gefüllt.

Denn die Andachtsbilder sind klein. Manche sind nicht größer als fünf mal drei Zentimeter, passen in ein kleines Büchlein, von denen gleich fünf an der Zahl Hernandez als Überraschung noch aus der Tasche zieht. Wie Stundenbücher wurden sie einst genutzt, in dem einen oder anderen finden sich eingelegte Heiligenbildchen. "Eins hat mich besonders berührt", sagt Husmeier-Schirltz, "das Bild für eine Osterkommunion 1941."

Manches Material ist empfindlich, andere Bilder wiederum sind aufwendig gestaltet, gefalzt, geschichtet, handkoloriert, gestanzt, bestickt, spiegeln die Kunststile ihrer Zeit. So gehören Jugendstil-Abbildungen dazu, goldgerahmte Seidenarbeiten, Klappkarten zum Aufstellen, und viele sind darunter, die "nicht massenhaft verlegt wurden", wie Sölter sagt.

Was er an Geld in seine Sammlung hineingesteckt hat, kann und will Hernandez gar nicht beziffern. "Es war viel", sagt er ganz nüchtern, "aber mir war es wichtiger, dass die Sammlung geschätzt wird und einen guten Platz hat."

Den hat sie im Museum für Populäre Druckgrafik, so der Untertitel der Dependance des Clemens-Sels-Museum, zweifellos. Denn sie passt wunderbar zu den anderen Arbeiten der Sammlung Feldhaus und bereichert sie gleichzeitig. Denn die Heiligenbildchen sind durchweg in einem guten Zustand, selbst dann, wenn sie wie etwa das Bild vom Hl. Dominikus im Mönchsgewand mit Kreuz von 1880 eine empfindliche Klappkarte ist. Hernandez hat vorrangig Exemplare aus dem 19. Jahrhundert und dem Barock gesammelt, einige wenige sind sogar noch älter, stammen von 1750 und zeigen, dass damals auch gern Anleihen bei den großen Malern der religiösen Kunst, bei Dürer oder Rafael, gemacht wurden. Wenn Hernandez mit Blick auf die Heiligenbilder von "kleinen Kunstwerken" spricht, nickt nicht nur Kurator Sölter bestätigend. Tatsächlich zeigt seine Auswahl die große Kunst-Fertigkeit unbekannter Maler, die einem Hl. Joseph oder dem Haupt Christi ihre Reverenz erweisen. Dass sich unter den Bildern auch viele von Franz von Assisi befinden, wird bei einem Sammler, der den gleichen Vornamen trägt, nicht wundern. Hernandez kommentiert das verschmitzt mit "Der war so bekloppt wie ich".

Vor allem in Belgien, so erzählt der 76-Jährige, hat er noch in den 1980er Jahren viele Bilder kaufen können. "Da gab es richtige Läden", sagt er, "heute ist alles leergekauft." Auch da zeigt sich die Verbindung zu Irmgard Feldhaus, die zu Lebzeiten ebenfalls Druckgrafiken erstanden hat, als noch kein Mensch sie haben wollte. Zweifellos sind sie heute ein Kulturgut und erzählen von Menschen und Zeiten, die längst nicht mehr sind.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Ausstellung "Himmel hilf!" im Clemens-Sels-Museum

(hbm)