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Neuss: Neue Therapie für Schlaganfall-Patienten

Neuss : Neue Therapie für Schlaganfall-Patienten

Das Johanna-Etienne-Krankenhaus bietet jetzt die laut Studien wirkungsvollere Thrombektomie an.

Marianne Jentzsch (97) schmückte am Abend des 12. Dezember noch gemeinsam mit Betreuern und anderen Bewohnern des Seniorenheims den Tannenbaum - nachts jedoch war von einem auf den anderen Moment alles anders. Ihre Tochter Bärbel berichtet, dass die Pflegekräfte eine halbseitige Lähmung festgestellt hätten - und riefen sofort die 112, bevor sie die Tochter verständigten. Mit einem Rettungswagen wurde die Seniorin sofort ins Johanna-Etienne-Krankenhaus gebracht, denn die dort angesiedelte "Stroke Unit" (die einzige im Rhein-Kreis Neuss) stellt rund um die Uhr die Schlaganfallversorgung sicher.

Schnell handeln lautet die Devise beim Schlaganfall. Dr. Ludwig Thelen, neurologischer Oberarzt im Johanna-Etienne-Krankenhaus, klärte die Tochter von Frau Jentzsch über die neue Methode der Thrombektomie auf, die jetzt auch im Etienne angeboten wird. Bislang galt die Thrombolyse als beste, durch Studien belegte, Therapieform bei akuten Schlaganfällen. Bei dieser Behandlung werden Medikamente über eine Vene verabreicht, die das Gerinnsel auflösen. Werden diese allerdings zu groß, sind die Aussichten auf eine erfolgreiche Auflösung jedoch deutlich geringer.

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Nun haben Studien den Nutzen einer Thrombektomie bestätigt. Das Besondere dabei: Das Gerinnsel wird mit einem Katheter direkt entfernt. Der Zugang erfolgt durch die Arm- oder Leistenarterie. Der Katheter, der weniger als einen Millimeter Durchmesser hat, wird zu dem verschlossenen Hirngefäß und durch das Gerinnsel geschoben. Danach entfaltet sich das Drahtgeflecht und der Blutpfropf verfängt sich darin. Mit Unterdruck wird er gleichzeitig abgesaugt. Die Thrombektomie gilt als enormer Entwicklungssprung in der Schlaganfallbehandlung. Ihre Wirksamkeit hat sie in mehreren Studien 2015 unter Beweis gestellt. Jedoch ist die Thrombektomie nicht bei jedem Patienten angeraten: Derzeit gehen die Gesellschaften davon aus, dass sie für rund zehn Prozent der Betroffenen in Frage kommt.

(NGZ)