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Neuss: Narren nach der Session

Neuss : Narren nach der Session

Wer kann, macht nach der Karnevalszeit erst einmal Urlaub. Doch auch dann sind die Interpreten in Gedanken schon bei der Vorbereitung der nächsten. Von Projekten, Studioterminen und dem Nachdenken über neue Figuren.

Am Tag eins nach der Session saß Karl-Heinz Brand schon im Urlaubsflieger nach Spanien. Vier Wochen lang darf Sohn Michael, der als Stallwache des Bandmanagements der "Räuber" zurückblieb, ihn nur in Notfällen kontakten. Aber der Sohn weiß, dass der Vater auch beim Ausspannen nicht untätig bleibt. "Zurück kommt er immer mit ein oder zwei Ideen, das war immer so." Was für die Großen im Karneval gilt, gilt auch für die vielen Interpreten mit weniger Auftritten in der gerade beendeten längsten Session des Jahrhunderts: Die Ruhe darf nur eine kurze sein.

Nach 80 Auftritten ist Franz Kolbecher, Frontmann der Band "De Fetzer", ganz froh, dass diese Session gelaufen. Auch er würde gerne verreisen, "wie früher". Doch weil er schulpflichtige Kinder hat, muss Kolbecher versuchen, im Amt für Verkehrsangelegenheiten wieder zu Kräften zu kommen. Immerhin: Der nächste von acht Auftritten, mit denen die Fetzer die Zeit bis zum neuerlichen Sessionsstart überbrücken, ist erst in drei Wochen geplant. Allerdings muss der vorbereitet sein. "Im Mai gehen wir ins Studio", kündigt der singende Beamte an. Für die neue CD.

Hermann Josef Maassen, im 23. Jahr als Reimredner vom Niederrhein auf der Bühne, begann die Fastenzeit – mit einem Bierchen. Während seiner 40 Auftritte, auf die er krankheitsbedingt diesmal "nur" gekommen ist, verbietet er sich diesen Genuss. Weil darunter sowohl die Konzentration als auch die Stimme leidet. Erst im April genehmigt er sich einen Sylt-Urlaub, und da werde dann auch schon überlegt, welche Rolle auf den "Mann mit guten Vorsätzen", als der Maassen in den letzten Wochen unterwegs war, folgen kann. Das Versemachen trainiert er allerdings auch im Rest des Jahres, denn der Rentner und Teilzeitverkäufer im Neusser Modehaus Bayer ist auch bei Geburtstagen, Jubiläen und anderen Festen als Redner gefragt.

Solche Engagements kennt auch Thilly Meester, doch für einzelne Anlässe reimt "Ne Kistedüvel" nicht. Sie gibt ihr Programm und verlängert so ihren Karneval. "Es wäre doch schlimm, wenn man das nicht mehr könnte", sagt sie – und schielt auf die schon im April angesetzten ersten Vorstelltage, wo die Literaten nach Ideen und Beiträgen für die nächste Session suchen. "Urlaub wäre gut", sagt sie nach vielen Auftritten im Ruhrgebiet und am gesamten Niederrhein, aber daran sei derzeit nicht zu denken.

Auch "Räuber" Brand wird, wenn er sich von den 270 Sessionsauftritten erholt hat, nicht lange untätig bleiben können. Ab Mitte April ist die Band auf Konzerttour und im Mai mit einer Theaterreihe im Kölner Millowitsch-Theater zu Gast.

(NGZ)