Neuss: Marienviertel wird immer mehr multikulti

Neuss: Marienviertel wird immer mehr multikulti

Die Krefelder Straße gehört nicht mehr so richtig zu Neusser Innenstadt, die Vermarktung des Viertels wird problematisch gesehen.

Die Sonne scheint und die Neusser schlendern durch ihre Innenstadt, bis zur Höhe Hammtorwall, da verliert die Neusser Meile an Fußgängerzonen-Flair und wird bunt. Seit Jahren wandelt sich das Marienviertel hin zur Multikulti-Ecke. Ergeben hat sich daraus ein Mix aus Fachgeschäften, Bekleidung sowie Kleinkram für wenig Geld und Imbiss aus verschiedenen Nationen. Störend in diesem Bild sind immer wieder leerstehende Ladenlokale und nur kurzzeitig geöffnete Geschäfte. Für die einen bringt das ein Schmuddel Image mit, für andere ist es das bunte Stadtleben.

Aus Sicht der Einzelhändler ist das Quartier an der Krefelder Straße kein leichtes. Häufig wechselnde Inhaber in den Geschäften bringen Unruhe mit. Dagegen bringen einige fest etablierte Fachgeschäfte eine konstante Größe mit sich. Neben dem Fachgeschäft für Kücheninventar findet sich dann der Kleinkram-Laden.

Für Verkäuferin Suze Kreutz von Küchen Helten ist das allerdings kein Problem: "Hier ist es bunt und bunt ist doch schön! Hier tobt halt das Leben." Sie hat schon in verschiedenen Bereichen der Neusser Innenstadt gearbeitet und im Marienviertel fühlt sie sich pudelwohl. Aber regelmäßig muss sie aggressive Bettler vor der Ladentür wegschicken.

Das Marienviertel wandelt sich seit Jahren zu einer Multikult- Ecke mit einem Mix aus Fachgeschäften, Kleinkram und Imbiss-Angeboten aus verschiedenen Nationen. Für den stellvertretenden ZIN-Vorsitzenden Armin Badort gibt es zu wenig kreative Angebote in dem Neusser Viertel. Foto: Andreas Woitschützke

Auch für Juwelier Armin Badort ist es nicht das bunte Angebot problematisch, ihm fehlt es an Kreativität und damit an interessanten Angeboten im Viertel. Schon vor einem Jahr legte der stellvertretende ZIN Vorsitzende dem Bürgermeister zwei Projektvorschläge vor, mit dem die Neusser Innenstadt und damit auch das Marienviertel aufgewertet werden könnte. Seine Idee: eine Förderung für interessante Einzelhandelskonzepte.

"Eine Start-up Förderung gibt es im Einzelhandel nicht. Warum soll man aber nicht kreative Konzepte in der Anfangsphase unterstützen, damit einkaufen in Neuss eine neue Attraktivität bekommt?" In einer zweiten Idee soll durch eine App den Käufern Zusatzleistungen angeboten werden, um den Einkauf in der Innenstadt gegenüber der Online-Konkurrenz abzuheben.

Nicht nur die Händler blicken mit etwas Sorge auf das Viertel zwischen Niedertor und Bahnhof. Der ehemalige Schützenkönig Rainer Reuß wohnt seit sieben Jahren an der Krefelder Straße. "Ich genieße es, so zentral zu wohnen, aber wenn ich abends nach Hause komme, wird mir manchmal mulmig, wenn ich sehe, welches Klientel im Viertel unterwegs ist."

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Auch Heimatfreund Helmut Giliam ist schon im Marienviertel aufgewachsen. Er macht den Wandel in den vergangenen 20 Jahren aus. Die Krefelder Straße ist von der Niederstraße abgehängt.

"Das sieht man nicht nur am veränderten Pflaster und am beginnenden Straßenverkehr, in der Weihnachtszeit endet die Beleuchtung am Beginn der Krefelder Straße", erklärt der Kenner der Neusser Geschichte. Für ihn gibt es im Marienviertel halt die "besseren" und die weniger attraktiven Ecken. Die zahlreichen kleinen Fachgeschäfte sind langsam aber sicher verschwunden.

Giliam kann sich noch daran erinnern vor dem Schaufenster eines Radio Fachgeschäfts in der Bleichgasse das WM Finale von 1954 gesehen zu haben: "Immer wieder sind leere Geschäfte nur kurz besetzt, hinzu kommt, dass bei diesen Belegungen der Schwerpunkt nicht auf Qualität sondern auf den günstigen Preis gesetzt wird." Eine positive Entwicklung sieht er seit der Neugestaltung des Marienkirchplatzes und den Neubau der Rheinland Versicherung, der wieder mehr Licht in das abendliche Marienviertel gebracht hat.

Apothekerin Miriam Sheikh fühlt sich wohl im Viertel, die Kundschaft ist nett und negative Erlebnisse aufgrund ihres Migrationshintergrunds hatte sie in Neuss noch nie: "Ich habe mal in Krefeld gearbeitet, da habe ich durchaus unangenehme Situationen erlebt. Daher möchte ich aus Neuss nicht mehr weg."

Ob nun Schmuddel Image oder buntes Multikulti-Viertel liegt wohl im Auge des Betrachters, ein Impuls hin zu höher wertigem Angebot im Viertel dürfte wohl im Interesse der Anbieter aber auch der Neusser Kundschaft liegen.

(NGZ)
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