Serie Wie Wir In Neuss Wohnen: Im Mietertreff funktioniert die Nachbarschaftshilfe

Serie Wie Wir In Neuss Wohnen : Im Mietertreff funktioniert die Nachbarschaftshilfe

Der Mietertreffpunkt "Maribu" des Bauverveins in Kooperation mit der Caritas ist Beratungsstelle, aber auch Treffpunkt zu Kaffee und Klatsch.

Nordstadt (NGZ) Petra Faerber leidet an Multipler Sklerose (MS) und ist auf ihren Elektro-Rollstuhl angewiesen. "Treppen zu steigen, ist für mich unmöglich geworden", sagt sie, "deshalb musste ich mein angestammtes Umfeld verlassen und fühlte mich in der neuen Umgebung zunächst ziemlich allein." Als sie vor zwei Jahren ins Marienburger Viertel zog, kannte sie niemandem im Quartier. "Ich habe vorher am anderen Ende der Stadt gewohnt", erzählt sie, und sie war froh, dass sie vom Bauverein dort eine Wohnung im Erdgeschoss bekam.

Zufällig sah sie einen Aushang am "Maribu" an der Marienburger Straße. "Da wurden verschiedene Kurse angeboten. Ich dachte, ich guck' mal vorbei", erinnert sie sich. Heute ist die 53-Jährige aus dem Mietertreffpunkt des Bauvereins nicht mehr wegzudenken. "Sie ist so etwas wie die gute Seele", sagt Nachbarin Margret Schwark. "Wenn es mir mal nicht so gut geht, hat sie immer ein offenes Ohr. Und dass jemand zuhört, wirklich zuhört, das ist schon eine große Hilfe." Die 76-Jährige hat ihre Wohnung gleich über dem "Maribu". "Mein Mann ist vor 20 Jahren gestorben, meine Kinder wohnen woanders. Aber dank des ,Maribu' fühle ich mich trotzdem niemals einsam."

Mittags wird in dem Mietertreffpunkt oft zusammen gekocht. Es gibt Spielenachmittage, Malkurse, Büchertauschbörsen, aber auch Bewegungsprogramme und Angebote zur Sturzprävention für die Älteren, Deutschkurse für Ausländer und Hilfe beim Ausfüllen von Formularen. Im Sommer werden Grillabende organisiert. Im Winter gibt es Ausflüge zum Weihnachtsmarkt.

Und wenn etwas fehlt, hat Petra Faerber es garantiert dabei. "Sie ist unsere Frau mit der Mary-Poppins-Tasche", sagt Beate Fedler. Ob Pflaster oder Nähzeug, Kopfschmerz-Tablette oder Wundsalbe - Petra Faerber zaubert es aus ihrer großen Tasche. "Sie ist wirklich eine gute Fee", sagt Margret Schwark.

Bei soviel Lob steigt Petra Faerber die Röte ins Gesicht. "Ich bin eigentlich ein sehr schüchterner Mensch", sagt sie, "als ich zum ersten Mal ins 'Maribu' gekommen bin, war das für mich eine große Überwindung: lauter fremde Menschen. Aber ich bin so herzlich aufgenommen worden und werde trotz meiner Krankheit von allen voll akzeptiert. Die Gemeinschaft ist für mich zur Familie geworden." Soziales Miteinander wird im Mietertreffpunkt des Neusser Bauvereins großgeschrieben. "Inzwischen hat sich auch ein wirklich toll funktionierendes Nachbarschaftsnetzwerk entwickelt", sagt "Maribu"-Leiterin Beate Fedler. "Wenn jemand zum Arzt muss und kein Auto hat, findet sich jemand, der fährt. Hilfe beim Einkaufen oder beim Aufhängen der Gardinen lässt sich immer organisieren", erzählt sie, "bei uns ist eben keiner allein."

(NGZ)
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