Neuss: Männer-Paar regiert Gnadentaler Gilde

Neuss : Männer-Paar regiert Gnadentaler Gilde

Wie sich die Zeiten ändern: 1988 war Eckhard Linden Schützenkönig in Gnadental. Damals regierte er gemeinsam mit seiner Schwägerin Angela die Schützen. Nächstes Jahr zum Silberjubiläum möchte er zum zweiten Mal auf den Thron. Sollte ihm 2013 der Königsschuss gelingen, würde an seiner Seite Prinz Volker stehen. Seinen Partner, mit dem er seit sieben Jahren ein Paar ist, hat Linden vor einer Woche geheiratet.

Derzeit absolviert das homosexuelle Paar beim Gnadentaler Schützenfest seine Generalprobe. Eckhard Linden ist König seiner Schützengilde. Gemeinsam mit seinem Prinzen Volker wird er von den Schützen und allen Gnadentalern umjubelt. "Die freuen sich alle wie Bolle", strahlt Eckhard Linden, "darum habe ich mich entschlossen, im nächsten Jahr auf den großen Vogel zu schießen." Probleme erwartet er nicht: "Hier in Gnadental dreht sich keiner weg."

Gastgeber des Gnadentaler Schützenfestes ist der Bürger- und Heimatverein, der keine Bruderschaft ist. Deren Dachverband, der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften, hatte im Frühjahr verboten, das homosexueller Partner eines Schützenkönigs bei Umzügen als "Königin" an seiner Seite zu gehen. "Natürlich machen wir uns angesichts solcher Beschlüsse Gedanken", sagte gestern Eckhard Linden gegenüber der NGZ, "aber wir wollen niemanden provozieren. Ich bin kein Aktivist und ich möchte nur, dass wir in Ruhe leben und feiern können."

Eckhard Linden ist in Neuss eine bekannte Persönlichkeit. Unter anderem war er von 2000 bis 2005 Geschäftsführer der Neusser CDU. Heute lebt er mit seinem Partner Volker Köhler-Linden in Schlangenbad im hessischen Rheingau-Taunus-Kreis. Die Hochzeit wurde vor einer Woche in Koblenz mit einer Schifffahrt auf dem Rhein gefeiert. Unter den über 100 Gratulanten waren viele Gäste aus Neuss und auch sehr viele Schützen. Linden: "Als ich nach Schlangenbad zog, habe ich gefürchtet, dass es ein Weg ohne Wiederkehr ist. Aber wir sind, wie jeder sieht, gern in Gnadental."

(NGZ)
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