Neuss: Schützenpräsident nur bis 70

Neuss : Schützenpräsident nur bis 70

Interview Schützenpräsident Thomas Nickel erklärte beim Talk auf dem blauen NGZ-Sofa die angestrebten Satzungsänderungen. Er sprach über Fehler in der Kommunikation, Traditionen beim Oberstehrenabend und verriet, warum eine Altersgrenze für Komitee-Bewerber sinnvoll ist.

Herr Nickel, hätten Sie im November gedacht, dass es noch vor dem Schützenfest 2012 eine außerordentliche Mitgliederversammlung geben wird?

Thomas Nickel Nein, denn wir haben ja 2011 ein schönes Schützenfest gefeiert. Doch die Ereignisse auf der Jahreshauptversammlung haben uns zum Nachdenken gebracht. Die Schützen haben damals Veränderungen gefordert, wir haben eine Kommission gegründet und die hat ihre Vorschläge für eine Satzungsänderung nun vorgelegt.

Was ist passiert, was diese Satzungsänderung erforderlich gemacht hat?

Nickel Im Grunde nichts, was die Substanz des Festes infrage gestellt hätte. Armin Badort hatte zwei Tage vor der Jahreshauptversammlung seinen Hut in den Ring geworfen, und mit ihm gab es einen Gegenkandidaten für die Wahl ins Komitee. Es kam zur Kampfabstimmung.

Es entzündete sich Kritik an Ihrer Einlassung, das Komitee funktioniere wie ein Zug. Wurden Sie missverstanden?

Nickel Ja. Erstens war uns immer klar, dass der Souverän die Mitgliederversammlung ist. Zweitens haben wir das Komitee systematisch verjüngt und haben dabei die Kandidaten nach ihren fachlichen Fähigkeiten ausgewählt. Erst ganz am Ende haben wir darauf geachtet, wer denn auch menschlich passen könnte. Ein Komitee soll sich auch untereinander gut verstehen. Man ist fünf Schützenfest-Tage lang eng zusammen und soll auch Freude haben neben der Arbeit.

Eine Satzungsänderung wird vorbereitet. Was soll neu sein?

Nickel Geheime Wahlen werden in Zukunft bereits möglich sein, wenn mindestens 15 anwesende Mitglieder das wünschen. Bislang brauchte es dazu die Mehrheit der Mitglieder auf der Versammlung.

Es gibt weitere Neuerungen?

Nickel Die Altersgrenze, nach der man bei seiner Wahl ins Komitee das 70. Lebensjahr nicht vollendet haben sollte, steht nun in der Satzung. Dass es "sollte" und nicht "darf nicht" heißt, ist dabei keine Hintertür. Es wird sprachlich geändert: Ich habe nicht vor, im Alter von 70 Jahren noch einmal für das Komitee zu kandidieren.

Was bedeutet die Präsidenten-Wahl durch die Jahreshauptversammlung?

Nickel Der soll künftig auf Vorschlag von Komitee und Korpsführerversammlung für drei Jahre aus der Mitte des Komitees von der Mitgliederversammlung gewählt werden.

Warum kann der Präsident nur auf Vorschlag von Komitee und Korpsführern gewählt werden?

Nickel Es soll kein Ad-hoc-Vorschlag aus einer Laune oder Stimmung heraus entstehen. Die Vorschlagenden müssen mit ihm zusammen arbeiten. Deshalb ist der Präsident ein wenig herausgehoben.

Was passiert, wenn der Präsident nicht bestätigt wird?

Nickel Dann haben die Vorschlagenden einen Fehler gemacht. Man muss da schon im Vorfeld sensibel sein. Wer durchfällt, wäre auch nicht der richtige Präsident.

Kann es bei Wahlen zum Komitee in Zukunft Gegenkandidaten geben?

Nickel Ja, aber das ist nicht neu. Neu ist, dass eine Kandidatur vier Wochen vorher bekanntgegeben werden muss, damit die Schützen sich vorab ein Bild machen können.

Wie ist das mit der Wahl des Regimentschefs am Oberstehrenabend?

Nickel Es ist Tradition, dass der Oberst in der Versammlung auf Zuruf per Akklamation gewählt wird. Formale Regularien wie eine geheime Wahl würden dem Oberstehrenabend seinen Charakter als großes vorbereitendes Fest nehmen. Das werden alle verstehen, dass das etwas anderes ist.

Können noch weitere Anträge auf Satzungsänderung gemacht werden?

Nickel Ja und auch noch in der Versammlung am 10 Juni selbst. Für jede Änderung der Satzung brauchen wir eine Zweidrittelmehrheit.

Was ist Ihr Wunsch für die außerordentliche Versammlung?

Nickel Dass viele Schützen kommen und die Änderungen überzeugend beschlossen werden, damit wir anschließend unbelastet Schützenfest feiern können.

Martin van der Pütten fasste das Gespräch zusammen; Ludger Baten stellte die Fragen auf dem blauen NGZ-Sofa.

(NGZ)
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