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Neuss: Erst umziehen, dann anschaffen

Neuss : Erst umziehen, dann anschaffen

Videokameras und leicht bekleidete Damen an der Marienstraße machten einige Neusser skeptisch. Ein Bordell? Nein, sagt die Stadt, das gibt es in Neuss nicht. Wohl aber eine Wohnung, wo sich Bardamen zur Arbeit umziehen.

Auch Damen aus dem ältesten Gewerbe der Welt müssen sich vor und nach der Arbeit umziehen. Doch was dem Bergmann die Kaue und dem Künstler die Garderobe ist Evas Töchtern eine Wohnung an der Marienstraße. Ein Bordell gibt es nicht in Neuss — nur eine "Sammelumkleide" dafür.

Aufgefallen war die neue Nutzung gleich mehreren Neussern. Einmal, weil das "Objekt" auf einmal mit Videokameras überwacht (oder gesichert?) wurde. Das veranlasste das städtische Ordnungsamt, auf Hinweis eines Passanten der Sache auf den Grund zu gehen. Ergebnis: siehe oben. Die Frage, ob diese Kameras im öffentlichen Raum zulässig sind, beschäftigt nun den Datenschutzbeauftragten bei der Bezirksregierung.

Hinzu kam, dass zum Beispiel der SPD-Stadtverordneten Daniela Lakner ungewöhnlich freizügig gekleidete Damen auf der Marienstraße auffielen. Die sprachen zwar keine Männer an, wie Lakner beobachtete, doch die Sache kam ihr trotzdem spanisch vor. So wurde der "Fall" zum Gegenstand einer politischen Anfrage an die Verwaltung. Auskunft: siehe oben.

"Da ist nichts", beteuerte Ordnungsamtsleiter Uwe Talke. Jedenfalls nichts, was verboten wäre oder ein Einschreiten von Polizei und Ordnungsamt notwendig macht. Trotzdem erklärte Talke für beide Behörden: "Wir beobachten das."

Ein Wirt von der Furth, der namentlich nicht genannt werden will, hatte sich mit dem Hinweis auf die seltsam freizügigen Damen seinerseits an die Nordstadt-Konferenz der CDU gewandt. Die Furth, so seine Überzeugung, entwickelt sich nicht zum Vorteil. Eine Beobachtung, die der Stadtverordnete Thomas Kaumanns (CDU) teilt. "Da siedeln sich Dinge an, die dem Stadtbild nicht förderlich sind", sagt er über seinen Wahlkreis, meint aber eher "Partylocations" — und weniger die Damen.

Die Ansicht von Gastwirt und Stadtverordnetem ist aber Einzelmeinung. Allen 40 Mitgliedern der Nordstadtkonferenz wurde der Bericht des Wirtes vorgestellt, berichtet Joachim Goerdt als Vorsitzender der Nordstadtkonferenz, keiner teilt die dramatische Sicht. Zurecht, wie Uwe Talke auch mit Blick auf den Lagebericht Kriminalität der Polizei oder die Erkenntnisse des Kommunalen Servicedienstes (KSD) sagt. Die Nordstadt — "ein großstädtisch geprägtes Viertel mit allen Begleiterscheinungen, aber kein Pfuhl", so Talke. Der Bedarf der Bordellgänger werde andernorts gedeckt, sagt Talke. Etwa an der Düsseldorfer Rethelstraße, wohin — die Aufschrift lässt das stark vermuten — ein Voyager-Minivan die umgezogenen Bardamen bringt.

(NGZ/rl)