Das "Schwatte Päd" in Neuss: Neues Leben im Denmal

Neues leben in einem der ältesten Häuser : Das „Schwatte Päd“ ist wieder Gasthaus

Sechs Jahre lang stand das Baudenkmal am Büchel leer, seit Donnerstag ist wieder Betrieb in einer der ältesten Schankwirtschaften am Niederrhein. Bei der Premiere gratuliert dazu sogar die Konkurrenz.

18 Uhr an einem Donnerstag. Zu einer Zeit, in der sich früher die Bierschwemme mit Neussern auf der Suche nach einem Feierabend-Bier füllte, stauten sich jetzt Premieengäste. Der Grund für den Andrang: Das „Schwatte Päd“ ist wieder da. Und weil das „Päd“ nicht irgendein Gasthaus, sondern – amtlich bekannt seit 1603 – eines der ältesten am linken Niederrhein ist, schaute auch Bürgermeister Reiner Breuer vorbei: „Das ist ein herausragender Moment, hier wieder ein frisches Bier trinken zu können“, sagte er ehrlich begeistert.

Sechs Jahre lang tat sich nichts in dem denkmalgeschützten Haus am Büchel. Dann ergriffen Restaurant-Fachmann Sebastian Förster und Diplomkaufmann Guido Lettini die Initiative. Sie gründeten die Betreiberfirma „Viaventi“, schüttelten die „Fesseln“ einer Brauerei-Konzession ab und krempelten das Innenleben des Hauses um.

Blickfang im Thekenraum: das „Schwatte Päd“als Wetterfahne. Foto: Christoph Kleinau

Nicht brutal, sondern so, dass es eindeutig wiederzuerkennen ist. Aber auch heller, freundlicher und moderner, wie Elektriker Thomas Roether meint. „Stilecht“ nennt der Mann das Ergebnis, an dem er großen Anteil hat, denn er inszenierte das Haus mit Licht ganz neu und betonte dabei vor allem die denkmalgeschützte „Kölner Decke“. Eine regionale bautechnische Besonderheit und Rarität, die es noch im „Dom“ oder im Stadtarchiv gibt – „aber nicht so schön“, wie Stadtarchivar Jens Metzdorf zugeben muss. Er war geladen, weil aus den Beständen seines Hauses viele Bilder stammen, die, großformatig in die Fachungen der Wandvertäfelung eingepasst, eine kleine Zeitreise durch das alte Neuss erlauben.

Hell und schon am Premierenabend voll. die Bierschwemme. Foto: Christoph Kleinau

Sebastian Förster, der schon von 2003 bis 2009 als Thekenchef im „Schwatte Päd“ tätig war und künftig als Betriebsleiter eine zwölfköpfige Crew führt, hatte sich Mitte Mai nur auf ein Ziel festlegen lassen: Vor der Neusser Kirmes wird eröffnet. Dank etlicher Nacht-, Wochenend- und Sonderschichten konnte dieser Termin so weit unterboten werden, dass das Haus eröffnet wird bevor die Neusser am Samstag entscheiden, ob überhaupt Schützenfest gefeiert wird. Aber: Gehen wir mal davon aus. Schützenpräsident Martin Flecken jedenfalls war am Donnerstag überzeugt davon und freut sich darüber, „dass ein von Schützen vielgeliebtes Lokal wieder zur Verfügung steht“. Und noch dazu eines, „das an fast allen Zugwegen liegt.“

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Mit der Neueröffnung kamen bei vielen Gästen Erinnerungen an Zeiten hoch, bevor sich im „Päd“ die Pächter die Klinke in die Hand gaben. Bei Flecken war es die „diffuse Erinnerung an mein erstes Bier“ (das offenbar nicht das einzige an diesem Tag geblieben war), bei Metzdorf das Unglück eines Kameraden, der Schützenfestsonntag bei seiner ersten Kirmes überhaupt ausgerechnet im „Päd“ verloren gegangen war.

Aber Makler Jürgen Linnerz musste trotz dieser Anekdoten auch an die vielen Mühen denken, die er mit der Suche nach einem neuen Betreiber hatte. Sein Geschenk zur Eröffnung: Eine Waage, fast so alt wie das Gasthaus – und ein Symbol für eine „hoffentlich immer ausgeglichene Atmosphäre.“

Ausgeglichene Bilanzen wären genauso zu wünschen. Und das taten viele – und sogar die Konkurrenz: „Gut, dass hier wieder Leben hineinkommt“, sagt Dom-Wirt Karl Kehrmann. „Wäre toll, wenn das auch Erfolg hat.“

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