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Neuss: Bauverein organisiert Quartiersarbeit neu

Neuss : Bauverein organisiert Quartiersarbeit neu

Das städtische Wohnungsunternehmen will auf ein Wohnen mit Versorgungssicherheit umstellen, ohne dafür eine Betreuungspauschale zu kassieren. Im Wohnungsbau könnten bis 2020 annähernd 1000 neue Wohnungen entstehen.

Jeder dritte Mieter des Neusser Bauvereins ist über 60 Jahre alt. Konsequenzen daraus sind eine steigenden Nachfrage nach Wohnungen für Single-Haushalte sowie nach Betreuungsangeboten. Die will das städtische Wohnungsbauunternehmen neu organisieren und dabei auf das so genannte Bielefelder Modell umstellen: Wohnen mit Versorgungssicherheit — ohne Betreuungspauschale.

Foto: bauverein

Mit der Neuregelung reagiert das städtische Wohnungsunternehmen auf Gerichtsverfahren nach mehreren Klagen aus dem Quartier südliche Furth, wo jeder Mieter pauschal zur Finanzierung der Angebote des Treff 21 der Diakonie herangezogen worden war. Erstinstanzlich war diese Pauschale als unrechtmäßig bezeichnet worden, abschließende Urteile erwartet Bauvereins-Vorstand Frank Lubig Ende des Jahres, wie er am Montag bei Vorstellung der Jahresbilanz 2012 erklärte. Und er kann nicht ausschließen, dass die Angebote im Treff 21 "dann eingestampft werden müssen". In Weckhoven, wo an der Hülchrather Straße in einem generationsübergreifenden Quartier 163 neue Wohneinheiten entstehen, und danach in Norf soll nach dem Bielefelder Vorbild nun ein Partner gesucht werden, der mit quartiersbezogenen Angeboten — von einer zentralen Einrichtung aus — so viel Geld verdient, dass er die Infrastruktur ohne Pauschalzahlungen vorhalten kann. "Barrierefreiheit allein", so Lubig, "ist nicht der Schlüssel, um in den eigenen vier Wänden alt werden zu können."

Die Quartiersarbeit ist Teil des Sozial- und Tätigkeitsberichts, der wie ein Anlageband zur Jahresbilanz wirkt. Und in der Tat hängt beides zusammen. Ohne das Bauträgergeschäft, erklärt Lubig mit Blick auf die lukrativste Einnahmequelle, könnte sich der Bauverein soziale Einrichtungen wie die Mieter- und Servicebüros ebenso wenig leisten wie Instandsetzungsaufwendungen von 14,93 Euro pro Jahr für jeden der 540 000 Quadratmeter Wohnfläche im Bestand oder Abschreibungen in Millionenhöhe für Gebäude, die im Sinne einer Stadtteilerneuerung abgerissen werden. Ganz zu schweigen von der 5,9-prozentigen Rendite an den Hauptaktionär Stadt, der 1,119 Millionen Euro einstreicht.

"Da wären wir doch schön blöd, wenn wir Höchstpreise nicht nehmen würden", sagt Lubig mit Blick auf Eigentumswohnungen etwa an der Schulstraße, die für bis zu 3600 Euro je Quadratmeter vermarktet werden. Lubig: "Wir arbeiten da nach dem Robin-Hood-Prinzip..."

"Wir können und wir wollen mehr bauen", formuliert Lubig deshalb folgerichtig — und das auch im Mietwohnungsbau. Nach 26 Millionen Euro, die der Bauverein 2012 investierte, steigt die Summe im laufenden Jahr auf 32 Millionen Euro. Sechs Millionen gehen in die Modernisierung, 7,9 in die Instandhaltung, aber 18 Millionen werden für Neubauten aufgebracht.

490 Wohneinheiten waren zum Stichtag 31. Dezember 2012 in Planung oder Bau. Wenn dieses Paket 2017 abgearbeitet ist, hat der Neusser Bauverein 175 Millionen Euro investiert. Doch das Unternehmen akquiriert weiter. Bringt der Bauverein laufende Vertragsverhandlungen zu einem guten Abschluss, steigt die Zahl neuer Wohneinheiten, die innerhalb der nächsten Jahre gebaut werden, sogar auf 1000 an.

Was den Bauverein bremsen könnte, ist das knappe Bauland. Die wenigsten Flächen, betont Lubig, bekommt der städtische Bauverein nämlich von der Stadt Neuss.

(NGZ)