Neuss: Annette Schavan gratuliert Nelly-Sachs-Schülern zum Abitur

Neuss: Annette Schavan gratuliert Nelly-Sachs-Schülern zum Abitur

Es war ihr erster öffentlicher Auftritt nach der Doktortitel-Krise: Die Ex-Bildungs- und Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) gratulierte vor 900 Gästen in der Stadthalle den Abiturienten des Nelly-Sachs-Gymnasiums zum bestandenen Abitur.

Für die 58-Jährige war es ein Heimspiel in vertrauter Umgebung, denn sie selbst legte 1974 am "Nelly" ihr Abitur ab. "Wenn ich durch die Reihen blicke, stoße ich immer wieder auf vertraute Gesichter", sagte Schavan, die eine 25-minütige Rede hielt. "Denn viele meiner ehemaligen Schulkameraden sind heute als Eltern hier."

Selbstsicher und entschlossen machte die Politikerin die Schulabgänger des Doppeljahrgangs auf ihre wichtige Rolle in der Gesellschaft aufmerksam: "Jeder vierte Jugendliche in Europa hat keine berufliche Perspektive. Die Abiturienten müssen sich als Europäer verstehen und sich über ihre Chancen bewusst werden. Denn in ihren Händen liegt die Zukunft", sagte Schavan, die als Bildungs- und Forschungsministerin aufgrund heftiger Plagiatsvorwürfe in ihrer Doktorarbeit Anfang des Jahres zurückgetreten war.

"In den nächsten Jahren müssen sich die Abiturienten ungewohnt stark für das innere Wachstum in der EU engagieren", erzählte die gebürtige Jüchenerin, deren Dank aber auch der Belegschaft des Gymnasiums galt.

Neben Glückwünschen zum Abitur thematisierte Annette Schavan aber auch die Diskussionen rund um den Abschluss, wie etwa das Turbo-Lernen durch die G8-Regelungen oder den Schulentwicklungsplan, durch den dem Nelly-Sachs-Gymnasium Mitte der 1970er Jahre das Aus drohte. "Mit dem Kampf für die gymnasiale Bildung startete auch meine politische Karriere – wenn auch zunächst nur auf kommunaler Ebene", erinnerte sich Schavan, der der Doktortitel bis heute nicht aberkannt wurde.

So ist sich die Politikerin bis heute sicher: "Das ,Nelly' ist aus der Neusser Schullandschaft nicht mehr wegzudenken."

(cka)
Mehr von RP ONLINE