Moers: Sirene auf Toilettendach soll Süchtige vertreiben

Moers : Sirene auf Toilettendach soll Süchtige vertreiben

Die Toilettenanlage am Vinzenzpark liegt gerade mal wieder in Schutt und Asche. Drogensüchtige haben die schmucke Bahnhofstoilette erneut nach Strich und Faden verwüstet: Wände und Decken sind zerstört, Papierkörbe aus der Verankerung gerissen. "Das sind mal wieder 1000 Euro Instandsetzungskosten", sagt Marc Alexander Horsters, Betriebsleiter beim Zentralen Gebäudemanagement (ZGM) der Stadt. Nicht mal zwei Jahre steht das moderne Toilettenhäuschen, das als "Visitenkarte" auswärtige Besucher am neu gestalteten Bahnhof willkommen heißen sollte.

Doch mittlerweile wurden 8000 Euro in die Instandsetzung der immer wieder zerstörten Anlage investiert. "Die Süchtigen reagieren sich an der Anlage ab", weiß Horsters. Als besonders aggressiv gelten Abhängige auf Entzug. "Die schlagen alles kurz und klein", sagt der Betriebsleiter. Nun soll zum letzten Mal nach einem Gewaltausbruch renoviert worden sein. In Zukunft wird eine Toilettenaufsicht für Sicherheit sorgen. Besonders mutige Mitarbeiter aus dem Reinigungsdienst des ZGM, haben sich bereit erklärt, als Aushilfstürsteher für Ruhe an der Toilettentür zu sorgen.

Mit speziellen Trainings werden die Reinigungskräfte auf ihren Einsatz vorbereitet. Zusätzlich werden die Sicherheitskräfte mit Schallkanonen ausgestattet. Weit über 80 Dezibel können diese Selbstverteidigungswaffen ausstoßen und sollen damit einen Angreifer kampfunfähig machen. Für den absoluten Notfall wird in Zukunft auf dem Dach der Toilette eine Notfallsirene installiert sein. Mit einem Alarmknopf kann sie bei einem Zwischenfall betätigt werden, so dass weitere Sicherheitskräfte alarmiert sind und zugreifen können.

Längst hat sich das Problem um das WC zu einem reinen Szenestreit entwickelt. "Kein normaler Bürger benutzt das WC noch. Die drehen sich alle angewidert um", berichtet Horsters. Bei Süchtigen aus den Nachbarstädten Essen und Duisburg erfreut sich das Häuschen im Vinzenzpark allerdings größter Beliebtheit. "Die Mitarbeiter haben beobachtet, dass sich ein Drogentourismus entwickelt hat", sagt Horsters. "Die werden woanders vertrieben und kommen dann nach Moers".

In Essen sei man viel rigider im Umgang mit der Fixerszene. Da lohne sich schon mal eine Bahnfahrt in die Grafenstadt.

(RP)
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