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Moers: Junger Messerstecher auf der Flucht

Moers : Junger Messerstecher auf der Flucht

In einem Wohnheim an der Wilhelm-Müller-Straße hat ein 15-Jähriger einem 16-Jährigen mit einem Messer in den Bauch gestochen. Die Polizei fahndet nach dem Jungen, der als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling gekommen sein soll.

Eine Wohngruppe für Jugendliche in Moers ist am späten Dienstagabend Schauplatz einer Bluttat geworden: Wie die Polizei Mittwoch berichtete, stach ein 15 Jahre alter Junge einem 16-Jährigen Mitbewohner mit einem Messer in den Bauch. Der Verletzte ist in einem Krankenhaus operiert worden, Lebensgefahr bestehe nicht, teilte die Polizei mit. Das Opfer soll in Kürze das Krankenhaus verlassen. Die Polizei fahndet jetzt nach dem flüchtigen Täter.

Die Spurensicherung war bis 3.20 Uhr in der Nacht vor Ort an der Wilhelm-Müller-Straße in der Mattheck, wo der Träger "Flow" eine Wohngruppe im Auftrag der Stadt Moers betreut. Bei dem Täter soll es sich um einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling aus dem arabischen Raum handeln. Er spreche arabisch und spanisch, die deutsche Sprache beherrsche er nicht, hieß es am Tatort. Der Junge soll seit rund vier Wochen in Moers sein.

Zu der Tat kam es gegen 23 Uhr. Der 15-Jährige soll um diese Uhrzeit von einem Betreuer in das Haus eingelassen worden sein. Kurz darauf schrie das Opfer im Hausflur um Hilfe, der Betreuer fand den Verletzten an der Haustür. Der Täter rannte aus dem Haus und befindet sich seither auf der Flucht. "Einer unserer Mitarbeiter war zum Glück vor Ort. Ich möchte mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn wir keinen Betreuer dort gehabt hätten", sagte Hermann Muss, Geschäftsführer des Trägers Flow. "Es gab keine Anzeichen für einen Streit vorher. Täter und Opfer kannten sich, es gab keine Konflikte, beide haben sich eigentlich gut verstanden." Vorher habe der Täter in einer anderen Stadt in der Region gelebt, sagte Muss. Die Duisburger Polizei hat die Ermittlungen übernommen und eine Mordkommission eingerichtet. Der Grund für die Bluttat ist auch dort noch nicht bekannt. Zeugenvernehmungen liefen noch, sagte Staatsanwältin Nina Haßel.

Bei dem Verletzten soll es sich um einen Jungen mit deutscher Staatsangehörigkeit handeln. Muss will den Konflikt aber nicht auf den zwischen einem Flüchtling und einem Deutschen reduziert wissen. "Man kann ausschließen, dass ein interkultureller Konflikt Grund für den Streit war", sagt er. Der Täter sei als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling ein "traumatisierter" Mensch gewesen.

Die Moerser Stadtverwaltung bestätigte auf Anfrage Mittwoch lediglich, dass der Täter durch das Jugendamt betreut worden ist. Hermann Muss nahm den gestrigen Fall auch zum Anlass, auf die Situation der jungen Flüchtlinge aufmerksam zu machen. Diese stünden unter hohem Druck, die Zahl der Ausweisungen nehme zu. "Da schäme ich mich ehrlich gesagt, Deutscher zu sein." Viele der Flüchtlinge würden mit Feuereifer versuchen, sich hier zu integrieren, Deutsch lernen, arbeiten wollen.

(RP)