Mönchengladbach: Jonglieren mit Bedeutungsebenen

Mönchengladbach : Jonglieren mit Bedeutungsebenen

In der Ausstellung "The Amazing Grey" im Kunstverein MMIII stellt der Künstler Sebastian Dannenberg Wahrnehmungsgewohnheiten auf den Kopf.

Es ist "nur" grau, aber, so erklärt der Künstler, das sei die "maximale Möglichkeit aller Farben". So beschreibt Sebastian Dannenberg, geboren 1980 in Bottrop, seine Liebe zu dieser gemeinhin eher als trist empfundenen Farbe.

"The Amazing Grey" lautet folgerichtig der Titel seiner Ausstellung im Kunstverein MMIII. Dannenberg stellt sich dabei den Ansager einer Zirkusnummer vor, der "ein Monster mit acht Köpfen" ankündigt. Seine grauen Bilder, seine Arbeiten im Kunstverein indes sind alles andere als monströs - Dannenberg aber jongliert, um im Zirkusbild zu bleiben, gern mit Worten und gebrochenen Bedeutungsebenen.

Shop 1 und Shop 2 lauten die Titel zweier Arbeiten, die Dannenberg direkt mit grauem Lack auf die Wand gemalt hat. Kein Motiv, keine Figuration, kein Shop ist zu erkennen, nur der Pinselstrich des Malers und einige scheinbar schludrige Verlaufspuren der Farbe unterhalb des Bildes. Über der Oberkante des Gemäldes baut Dannenberg eine Art kleines Dach und verwandelt es so zur Installation. Bei Dannenberg ist Malerei immer gekoppelt an den Raum, wird diese in einen zweiten Kontext gestellt.

Auch die Arbeit "Air Condition" bewegt sich auf dem Grat zwischen Gemälde und Objekt: Neun, natürlich graue, Regalböden aus Zinkblech, Teile eines Schwerlastregals aus seinem Atelier, sind nebeneinander an der Wand befestigt. Durch kleine Öffnungen ebenso wie an einer roten Kante kann man sehen, dass die Fläche dahinter rot angemalt ist. Ein Regalboden ist leicht angehoben: Die Luft aus der "Air Condition", aber auch die Farbe aus dem Hintergrund kann sich strömend im Raum verteilen. Erstaunlich, wie die Farben der Arbeiten immer wieder mit denen des Raumes korrespondieren.

Dannenbergs Interesse am "Dahinter" ist groß. Das, was normalerweise verborgen ist, was der Galeriebesucher nicht zu sehen bekommt, das möchte er zeigen. An der Wand auf der Empore des Ausstellungsraums präsentiert der Künstler seine Arbeit "JET". Spiegelverkehrt ist das Wort in großen Lettern an die Wand gemalt, davor ein großes Holzgerüst aufgebaut - als schaue man von hinten auf eine Plakatwand oder einen Keilrahmen bzw. als müsse das Wort gestützt werden. Perspektiven werden verkehrt, Wahrnehmungsgewohnheiten auf den Kopf gestellt.

Sebastian Dannenberg studierte Kunsttherapie und Pädagogik, bevor er 2008 ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Leni Hoffmann und in Bremen bei Stephan Baumkötter aufnahm. Dessen Meisterschüler ist er derzeit. Die Ausstellung im Kunstverein empfindet er als seine erste "richtige" Einzelausstellung. Der Kunstverein kann stolz sein, ihm diese Chance geboten zu haben. Die Ausstellung wird Samstag, 9. Mai, 19.30 Uhr, eröffnet.

Die Ausstellung wird gefördert von der Sparda-Stiftung Kunst Kultur und Soziales. Sie ist bis 7. Juni, sonntags von 11 bis 14 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Telefon 0173-9114494, geöffnet. Künkelstraße 125 - Zufahrt über Siemensstraße 40-42.

(b-r)
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