Mönchengladbach: St. Marien: Der dreifache Gerresheim

Mönchengladbach : St. Marien: Der dreifache Gerresheim

Das Kreuz über dem Altar ist von dem Düsseldorfer Künstler, die Pietà links vom Chor ebenfalls. Jetzt gibt es das dritte Kunstwerk von Bert Gerresheim - ein versilbertes Bronzerelief, das Maria mit den Heiligen Josef und Franziskus zeigt.

Der kleine Franziskus ist dem großen wie aus dem Gesicht geschnitten. Was Wunder, entstammen sie doch beide derselben künstlerischen Fantasie und derselben Werkstatt - der von Bert Gerresheim in Düsseldorf. Den großen Franziskus hat der Künstler 2007 auf den Vorplatz der Kirche St. Franziskus in Geneicken-Bonnenbroich gestellt. Jetzt ist der kleine in der Kirche St. Marien in Rheydt angekommen. Er steht neben der Gottesmutter, die das Jesuskind auf dem Arm trägt und sich offenbar mit Josef unterhält, auf ihrer anderen Seite - aufgestützt auf das Richtmaß, Symbol für seine weltliche Profession als Zimmermann.

Das versilberte Bronzerelief mit der Darstellung der "Sacra conversazione" (Heilige Unterhaltung) ist die neueste Arbeit des Düsseldorfer Künstlers in St. Marien. Mit diesem Werk komplettieren sich die Kunstwerke Gerresheims in der Rheydter Kirche auf drei. Die Pietá, das Kreuz und das Relief definieren den Altarraum, bilden ein imaginäres Dreieck, das mit der Spitze nach oben zeigt. So müssen Kunstwerke im sakralen Raum sein - still, jedes für sich und in der Gesamtheit überzeugend. Zumal die Gestaltung des Innenraums seit der aufwendigen Sanierung Kunst nicht nur zulässt, sondern ihr einen würdigen, zurückhaltenden und sogar umschmeichelnden Rahmen gibt. Kunst und Architektur scheinen füreinander geschaffen.

Das Relief, das auf der Schauseite des Ambo befestigt ist, wurde komplett aus Spenden finanziert. Im vergangenen Jahr feierte Pfarrer Manfred Riethdorf seinen 70. Geburtstag, und in diesem Jahr wird das Silberne Ortsjubiläum von Pfarrer Klaus Hurtz begangen. Die Spenden, die zu diesen Gelegenheiten zusammen kamen, wurden für die Herstellung des Reliefs verwendet. "Der Künstler hat auf sein Honorar verzichtet", sagt Pfarrer Klaus Hurtz. Anfangs habe er sich eher eine Mantelmadonna vorgestellt. Aber Bert Gerresheim habe ihn mit seiner ungewöhnlichen Darstellung der Maria sofort überzeugt. "Dieser Künstler weiß so viel, er macht sich viele Gedanken, und immer kommt etwas Außergewöhnliches dabei heraus."

In der Tat: Eine stehende Pietà ist wesentlich seltener in der Kunst zu finden als die sitzende. In St. Marien steht die Mutter hinter ihrem toten Sohn, dessen Hände und Füße stigmatisiert sind und dessen Stirn grob verletzt ist von der Dornenkrone. Sie umfasst ihn fürsorglich und ist bei allem Kummer, der ihr Gesicht und ihren Körper zeichnet, doch unerschütterlich in ihrer Fürsorge.

Wenn es auch von unten nicht sichtbar ist: Auf dem linken Arm Christi hat Gerresheim die KZ-Registriernummer von Pastor Maximilian Kolbe eingearbeitet - zur Erinnerung an den von der katholischen Kirche als Heiligen verehrten Märtyrer, der 1941 im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau umgebracht wurde. Bert Gerresheim ist ein Künstler und Denker.

(RP)
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