Das Ende der Maria-Hilf-Kapelle in Mönchengladbach

67 Jahre nach der Einweihung: Abschied von der Maria-Hilf-Kapelle

Es war ein würdevoller, aber auch ein emotionaler letzter Gottesdienst. Das Krankenhaus an der Sandradstraße wird abgerissen, das Gotteshaus bleibt, aber wie es genutzt wird, ist noch unklar.

Am Freitag haben viele Menschen Abschied von der Kapelle Maria Hilf genommen. 67 Jahre nach der Einweihung wurde das Gotteshaus, in dem getauft, getraut und verabschiedet wurde, in dem Patienten und Angehörige manche Stunde mit Gebeten und in der Hoffnung auf ein Wunder verbracht haben, entwidmet.

Viele Christen hatten die Kapelle auch zu ihrer Heimatkirche erkoren, besuchten sonntags den Gottesdienst, waren dem Raum und den Menschen, die in der Seelsorge des Krankenhauses tätig sind, sehr verbunden.

Etwa Gisela und Gunter Bernhardt. Viele Jahre lang haben sie jeden Sonntagmorgen die Messe in der Kapelle besucht. "Wir sind vor 25 Jahren nach Mönchengladbach gezogen", sagt sie. Beide sind übrigens am selben Tag geboren - am 27. Juli 1938. Sie in Berlin, er in Bielefeld.

In die Kapelle kamen sie wegen Christoph Simonsen. "Von dem hatte man uns vorgeschwärmt. Und es stimmt, er ist ein unglaublich toller Pfarrer, ein wunderbarer Mensch." Auch als Simonsen nach Aachen ging, blieben sie der Kapelle treu. "Wir haben immer an derselben Stelle in derselben Bank gesessen", sagt Gunter Bernhardt.

Da saßen sie auch beim allerletzten Gottesdienst in der Krankenhauskapelle. "Das war's dann", sagte Gunter Bernhardt ein ums andere Mal. In welcher Kirche sie demnächst die Sonntagsmesse besuchen werden, wissen die beiden noch nicht. "Vielleicht besuchen wir dann das Münster." Beide sind sehr traurig, als am Ende des Gottesdienstes die Kapelle endgültig entwidmet wird.

Das Krankenhaus Maria Hilf wird bis Ende 2018 zum Franziskushaus an der Viersener Straße verlegt, der Abriss des Krankenhauses an der Sandradstraße soll mit Ausnahme der denkmalgeschützten Teile im kommenden Jahr folgen. Die Kapelle wird im Zuge der Neubebauung des Areals erhalten und anders genutzt werden.

  • Chance und Herausforderung zugleich : Ideenschmiede für Maria-Hilf-Areal

Die Stadt hat für das freiwerdende Maria Hilf-Gelände und auch für die Fläche der ehemaligen katholischen Hauptschule Stadtmitte sowie für das Grundstück, auf dem jetzt noch das Verwaltungsgebäude Oberstadt steht, die nächsten Entwicklungsschwerpunkte definiert.

Wenn die Klinik das Gelände geräumt hat, bietet das zentral gelegene Grundstück völlig neue Perspektiven. An dieser Stelle werden die Maria-Hilf-Terrassen nach den Entwürfen des dänischen Teams Urban-Agency entstehen. Im Jahr 2020 sollen die ersten Gebäude in die Höhe wachsen.

Es sind bis zu 500 Wohneinheiten geplant. Rechnet man die dreieckige Fläche zwischen der Viersener Straße und der Sandradstraße dazu, kommt das Planungsteam sogar auf mehr als 700 Wohnungen. Der Entwurf der dänischen Planer, der als Sieger aus einem städtebaulichen Wettbewerb hervorging, sieht frei finanzierten, öffentlich geförderten wie auch preisgedämpften Wohnungsbau vor.

Ein achtgeschossiges Gebäude soll an der Ecke Viersener Straße / Sandradstraße entstehen. Von dort aus wird das Terrain terrassenartig abwärts bis an die Aachener Straße geführt, so dass aus möglichst vielen Gebäuden der Blick in Richtung Waldhausener Straße und Geroweiher frei wird. Die bereits bestehenden Grüngürtel bleiben erhalten. Zwei Achsen führen diagonal von der Aachener Straße in das 4,4 Hektar große Areal. Eine endet am zentralen Maria-Hilf-Platz - dort ist heute der Parkplatz des Krankenhauses.

Dieses städtebauliche Thema interessierte Gisela und Gunter Bernhardt herzlich wenig. Die beiden hatten genug zu tun mit ihrem Abschiedsschmerz. Der war ihnen deutlich anzusehen. Ein letztes Mal noch empfingen sie den Schlusssegen. "Das war's dann."

(isch)