Erkrath: Der Mann hinter dem Lexikon

Erkrath: Der Mann hinter dem Lexikon

Heiko Tomaszewski hat als Hauptautor den detailreichen und lesenswerten Wikipedia-Artikel über die Stadt Erkrath erstellt. Die Seite liefert viele Fakten und wurde als "Exzellent" ausgezeichnet.

Wann wurde Willy Brandt geboren? Und wie war das noch mal mit der französischen Revolution? In den Wohnzimmern der älteren Generation finden sich die Antworten oft noch gut behütet im Eichenschrank. Dort stehen sie: bis zu 30-bändige Lexika, groß und schwer, prall gefüllt mit dem Wissen dieser Welt in bis zu 300 000 Stichwörtern. Was für ein Schatz!

Mit dem Großen Brockhaus konnte man so gut wie jede Wissenslücke schnell wieder auffüllen. In den vergangenen Jahren kommen die meisten Lexika aber mehr mit Staubwedeln, als mit wissensdurstigen Lesern in Kontakt. Das Internet hat die Lexika so gut wie abgelöst. Wer schnell mal etwas nachsehen möchte, "googelt" und landet nicht selten auf den Seiten von Wikipedia. Ziel von Wikipedia ist der Aufbau einer Enzyklopädie mit freiwilligen und ehrenamtlichen Autoren. Mehr als 1,2 Millionen Artikel haben die Autoren der deutschsprachigen Seite bereits erstellt und es werden täglich mehr. Einer der Autoren ist der Erkrather Heiko Tomaszewski. Seit einigen Jahren kümmert sich der 41-Jährige um die "Erkrath" Seite innerhalb des großen Online-Lexikons.

Wer auf der Wikipedia-Seite "Erkrath" eintippt, landet auf dem von Tomaszewski erstellten Eintrag, und erfährt viele Fakten über die Stadt, die einst wegen ihrer Heilquellen im Bavierpark "Bergisches Nizza" genannt wurde. "Ausgedruckt mit allen Unterartikeln wäre die Seite mehr als 60 Din-A4-Seiten lang", sagt Tomaszewski, der viel Arbeit in das Projekt gesteckt hat. Aber es hat ihm auch viel Spaß gemacht. "Ich lese viel, interessiere mich sehr für Geschichte", sagt Tomaszewski. In seinen Bücherregalen finden sich viele Bände zur Heimatgeschichte Erkraths. Daraus hat er Fakten herausgeschrieben, gesammelt, bewertet und auf Lexikon-Format getrimmt.

Nicht drauf los schreiben

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"Das war nicht ganz einfach", sagt Tomaszewski, der bei der Stadt Erkrath in der Friedhofsverwaltung arbeitet. Bei Wikipedia kann keiner einfach so drauf losschreiben, was und wie er möchte. Jede Zeile, jedes Foto und manchmal sogar jeder Buchstabe wird streng kontrolliert. Dafür sind andere Autoren und Administratoren zuständig. Wichtig ist die Nachprüfbarkeit, es müssen Quellen genannt werden, die jeder nachvollziehen kann. 115 Fußnoten hat Tomaszewski in die Erkrath- Seite eingefügt. "Das sind schon fast zu viele Quellen", sagt Tomaszewski. aber Diskussionen mit den Wikipedianern ist er gewohnt. "Überhaupt nicht erwünscht ist persönliche Meinung", sagt Tomaszewski. So sei ihm das Wort "sogar" aus einem Text herausgestrichen worden. Aufpassen muss Tomaszewski beim Einstellen von Fotos. "Nur wenn der Fotograf 70 Jahre tot ist, sind keine Rechte mehr zu beachten".

Fotos selbst geschossen

Einige Bilder von Erkrath aus der neueren Zeit hat er deshalb selbst gemacht. Weil bei Wikipedia das "Frei und kostenlos" Prinzip gilt, bedienen sich nun andere an seinen Bildern etwa über das Neandertal. Über die Geschichte des Neandertals hat einen 15-seitigen Extra-Beitrag geschrieben, der ebenfalls in der Wikipedia zu lesen ist. Sehenswert allein schon aufgrund der eingescannten alten Gemälde, die die Schlucht im Originalzustand vor dem Kalkabbau zeigen. Die Erkrath-Seite ist nun so gut wie fertig, Neues wird ergänzt. Die übrigen Wikipedianer finden seinen Artikel über Erkrath so gut, dass er den Status "Exzellent" erhalten hat. Das haben nur etwas mehr als 3000 der 1,2 Millionen Artikel in der Datenbank geschafft. Und Willy Brandt? Der wurde 1913 geboren. Steht auch im Brockhaus!

(RP)