Handball : Elfen verpatzen Rückkehr

Nach der 43-tägigen WM-Pause sehen Bayers Handballerinnen gegen Bad Wildungen lange wie der Sieger aus. Doch eigene Fehler und fragwürdige Schiedsrichter-Entscheidungen kosten den Erfolg. 30:31 heißt es am Ende.

Das Feld war bestellt für einen ebenso stimmungsvollen wie erfolgreichen Jahresabschluss. Nach der langen WM-Pause kamen Bayers Handballerinnen schnell in Fahrt. In beeindruckender Manier zeigten sie vor mehr als 1300 Zuschauern in der Smidt-Arena Aufsteiger Bad Wildungen deutlich die Grenzen auf und führten in der 21. Minute bereits mit sechs Treffern (13:7). Die Ernte jedoch fuhren am Ende die Kurstädterinnen ein, die ihrem neuen Coach Markus Berchten einen Einstand nach Maß bescherten.

Während Mannschaft und Anhängerschaft der Vipers den 31:30- (13:16)-Überraschungserfolg vergnügt, lautstark und nach allen Regeln der Kunst (Humba täterä, LaOla und allerhand mehr) zelebrierten, herrschte bei den Leverkusenerinnen Katerstimmung am Vorabend von Silvester.

Gemeinsam gingen die Trainer schließlich auf die Suche nach den Gründen für die unerwartete Wende. Die waren diesmal durchaus vielschichtig und lagen zum Teil auch schon vor dem Seitenwechsel. Da kosteten einige Unkonzentriertheiten Bayer eine bessere Ausgangsposition.

"Ihr habt es da verpasst, noch deutlicher zu führen. Und wir haben plötzlich Lunte gerochen", betonte Berchten. Sein Team gab niemals auf und fand nach der Pause das passende Rezept, um die bis dahin überzeugende Elfen-Abwehr zu knacken: Anspiele an den Kreis. Es spricht für Trainerin Renate Wolf, dass sie in erster Linie die mangelnde Antizipation des eigenen Teams kritisch ansprach, die Rolle der Referees dabei jedoch weitgehend außen vor ließ.

Die unterbanden nahezu jeden Abwehrversuch am Kreis, ließen umgekehrt aber sehr rüde Fouls durchgehen. Völlig unverständlich etwa, warum es nach einem Einsatz zweier Gästespielerinnen beim Gegenstoß von Nadine Krause keinen Platzverweis (wäre durchaus vertretbar gewesen), ja nicht einmal eine Zeitstrafe oder einen Siebenmeter (beides zwingend geboten) gab, im Gegenzug aber Denisa Glankovicova für ein harmloses Foul für zwei Minuten ausgeschlossen wurde.

Und das auch noch in der entscheidenden Phase, in der Laura Steinbach endlich traf (fünf der letzten sechs Elfen-Tore) und Valentyna Salamakha gleich viermal freie Würfe vom Kreis glänzend parierte.

Viel Zeit, sich über eigene Fehler und unverständliche Pfiffe der Unparteiischen zu ärgern, bleibt den Elfen in diesen Tagen nicht. In der Liga sind sie schon am Mittwoch wieder gefordert.

Der Jahresstart hält dabei gleich einen bekannt harten Brocken bereit: ein Auswärtsspiel beim langjährigen Rivalen HC Leipzig, einem Gegner also deutlich höheren Formats als es Bad Wildungen war. Chancenlos sieht Wolf ihre Elfen jedoch nicht: "Dort haben wir schließlich immer ganz gut ausgesehen", sagt die Trainerin.

(kre)
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