Leichlingen/Stuttgart: Stadtpark-Architekt will zuerst die Bürger fragen

Leichlingen/Stuttgart: Stadtpark-Architekt will zuerst die Bürger fragen

Für eine Befriedung des Themas "Stadtpark-Bebauung" plädiert der Architekt Bernhard Reiser. Er will erst weiter planen, wenn er ein klares Signal bekommt und sachlich mit der Politik diskutiert werden könne.

Ihre Pläne zur Neugestaltung der Innenstadt haben Investor Philipp Kiefer und Architekt Bernhard Reiser im Stadtrat vorgestellt. Doch seither ruht der See: "Wir fühlen uns wie in einem Vakuum", beklagt Reiser. Denn die Stadtverwaltung nimmt auf RP-Nachfrage keine Stellung zu den Plänen für ein neues Rathaus und eine Stadtpark-Galerie. Man wolle zuerst die fraktionsinternen Beratungen abwarten, zitiert Stadtsprecherin Ute Gerhards Bürgermeister Frank Steffes und Baudezernentin Barbara Hammerschmidt.

Zwar waren etwa 100 Bürger in die Ratssitzung gekommen, um die Präsentation der Kiefer/Reiser-Pläne zu verfolgen. Sie hatten aber kein Rederecht, konnten dazu keine Fragen stellen, was im Nachhinein auch gegenüber der RP von Bürgern sehr kritisiert wird. Eine regelrechte Bürgerversammlung mit Rederecht soll es laut Bürgermeister aber erst geben, wenn sich die Politik ein Meinungsbild gemacht und in den Fachausschüssen über die Kiefer-Pläne beraten habe.

Der Stuttgarter Architekt Bernhard Reiser macht aus seiner Enttäuschung keinen Hehl: "Ich fühlte mich in der Ratssitzung wie ein ungeliebter Gast", sagte er der RP. Er habe von Seiten der Politik "eine giftige Atmosphäre" verspürt und beklagt, eine inhaltliche Diskussion über die Pläne habe nicht stattfinden können. "Es gibt da einfach noch zu viele Altlasten auszuräumen. Es muss erst Frieden geschaffen werden. Viel zu viel Porzellan ist bei dem Thema Stadtpark in der Vergangenheit in Leichlingen zerschlagen worden", erinnert sich Reiser, der seit 2011 als Planer in das Thema involviert ist.

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Bei ihm persönlich habe seither ein Umdenken stattgefunden, betont der Architekt. Entgegen seiner ersten, vom damaligen Investor Spitzkopf gewünschten Planung, habe er bereits seit der Bürgerversammlung im Dezember 2011 eingesehen, dass in Leichlingen eine Bebauung des Stadtparks bei den Bürgern keine Zustimmung finden werde. Deshalb sehe die jetzige Planung mit Investor Kiefer auch die Inanspruchnahme eines nur sehr geringen Teiles des Stadtparks, inklusive ausreichender Ausgleichsmaßnahmen für entfallene Bäume, vor. "Allerdings wäre es gut und an der Zeit, die Bürger sachlich zu informieren. Im Stadtrat konnten sie keine Fragen stellen und mussten sich schon optisch von der Sitzordnung her von den Politikern regelrecht umzingelt fühlen", beobachtete Reiser. Denn da die hinteren Zuschauerreihen nicht ausreichten, waren weitere Stuhlreihen im Mittelrondell des ovalen Ratstisches aufgebaut worden.

Reiser fühlt sich auch in seiner Erwartungshaltung auf die neue Stadtspitze enttäuscht: "Ich hatte darauf gehofft, dass nach der Kommunalwahl neue Besen im Leichlinger Rathaus kehren würden. Aber das scheint nicht der Fall zu sein", sagt er. Auch im Bauamt seien noch dieselben Mitarbeiter "von damals" am Ruder. "Und es gibt schließlich immer noch den alten Beschluss, den Stadtpark komplett zu bebauen", sagt Reiser und verdeutlicht: Solange in Leichlingen bei Politik und Verwaltung keine Klarheit herrsche, was denn inhaltlich von ihnen gewollt werde, "brauchen wir gar nicht erst weiter zu planen", meint der Architekt. Dabei sei ihm besonders wichtig: "Ohne die Bürger geht in Leichlingen nichts, ohne den Bürgerwillen lässt sich in dieser Stadt nicht sinnvoll etwas Neues planen und realisieren", betont Reiser, der dabei aus seiner Erfahrung mit dem Stuttgarter Phänomen der "Wutbürger" gelernt hat.

(RP)
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